Yaser Yüksel: Meine Auftritte sollen sich ins Gedächtnis einbrennen

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Interview mit Profiboxer Yaser Yüksel

Yaser Yüksel – Niemand glaubte an sein Talent. Dann kam sein Trainer Rüdiger May. Seitdem kämpft sich der gebürtige Duisburger langsam nach oben – Ein beschwerlicher Weg.

 

Trainer Rüdiger May hat aktuell einen jungen Mann in seinen Reihen, dessen Boxstil alles andere als Deutsch ist. Yaser Yüksel heißt der 25-Jährige mit türkischen Wurzeln, der in Duisburg geboren wurde. Yüksel hat in seinem Leben viel Ablehnung erleben müssen, was ihn aber nur stärker und selbstbewusster gemacht hat. Der Jungprofi mit den schnellen Beinen und harten Fäusten wird in Kürze wieder in den Ring steigen. Mit GFN-Redakteur Attila sprach Yaser Yüksel über seine kommende Aufgabe, seine Zukunft und seine Idole.

GFN: Hallo Yaser, du kämpfst am kommenden Samstag, den 18. November. Wann und wo wird dein Kampf stattfinden?

Yaser Yüksel: Mein Kampf findet in Essen auf der Messe G.I.B.E.I statt. Es ist eine Messe für Gesellschaft, innovativer Bildung, Erziehung und Integration, die in der Halle 7 veranstaltet wird. Die Tagesveranstaltung geht von 13-18:00 Uhr.

Wer wird dein Gegner sein?

Mein eigentlicher Gegner hat leider kurzfristig abgesagt. Daher kenne ich meinen Ersatzgegner noch nicht.

Was ist dein Ziel für den Kampf? Vorzeitiger Sieg oder willst du einiges ausprobieren?

Ich möchte einen sauberen Kampf machen, der schön anzusehen und aufregend ist. Ich will mir meinen Sieg erarbeiten. Aber wenn ich die Lücke für einen K.O. sehen sollte, werde ich sie natürlich ausnutzen.

Das ist dein 6. Profikampf. Welche nahen und langfristigen Ziele hast du?

Mein Ziel ist es erst einmal Fuß zu fassen und mich Stück für Stück nach oben zu kämpfen. Ich habe immer noch keine Sponsoren oder wirklichen Unterstützer. Deshalb rufe ich bald ein Projekt ins Leben, das mir finanziell helfen soll. Wenn dieser Plan aufgehen sollte, kann ich auch meine langfristigen Ziele in Angriff nehmen.

Die da wären?

Ich möchte so schnell wie möglich ins Ausland. England oder USA wären genial, weil in diesen Ländern die Möglichkeiten für einen Menschen wie mich etwas zu werden größer sind als in Deutschland. Mit dem falschen Namen und falschen Herkunft wird man hier nicht so schnell akzeptiert. Das musste ich leider mehrfach in meinem Leben erfahren. Ich möchte in einigen Jahren große Kämpfe machen und in ausverkauften Hallen mit tollen Shows mein Können der Welt unter Beweis stellen. Meine Auftritte sollen sich in das Gedächtnis der Menschen einbrennen.

Damit sie dich vergöttern?

Nein, ich möchte mit dem Boxen und abseits des Sports den Menschen die Augen öffnen und ein kleines Stück die Welt verändern. Die Welt, so wie sie aktuell ist, ist einfach ungerecht. Wenn ich etwas erreicht habe, kann ich dann auch etwas bewirken. Aber dafür muss ich mich in das Gehirn der Menschen einbrennen.

Deine Beinarbeit ist eine Augenweide. Woher hast du die schnellen Beine?

Schnell, schneller, Yüksel

Meine Beinarbeit ist deswegen so gut, weil ich als kleiner Junge von meinem älteren Bruder zum Tanzen gebracht wurde. Ich habe New Jack Swing getanzt, das ist ein Oldschool Hip-Hop Tanzstil. Das hat mir sehr geholfen. Wassyl Lomachenko hat seinen Sohn Vasyl wegen der Beinarbeit auch zum tanzen geschickt. Der Unterschied zwischen uns ist nur, dass wir damals nicht wussten, dass ich Boxer werden würde.

Wer sind deine größten Vorbilder?

Muhammed Ali, Tupac Shakur und Monkey D. Ruffy.

Wer ist Monkey D. Ruffy?

Das ist eine Animefigur aus der Manga-Serie One Piece aus meiner Kindheit. Was soll ich sagen, von der Figur habe ich mehr gelernt als von manchen Menschen.

Abseits des Rings ist Yüksel ein nachdenklicher Mensch

Und warum Muhammad Ali und Tupac Shakur?

Ali nicht wegen seiner Erfolge als Boxer, sondern wegen seinen Taten abseits des Rings. Er wurde inmitten in eine Zeit geboren, als man die Schwarzen noch mehr als heute gehasst hatte und man den Afroamerikanern im Süden der USA kaum Rechte zugestand. Es hat ihn geärgert und er sagte zu ihnen: „Ich bin schwarz und das ist gut so, ich kämpfe nicht eure Kriege und scheiße auf euer ungerechtes System“. Er konnte das auch nur deshalb sagen, weil er sich als großer Boxer in das Gehirn der Menschen eingebrannt hatte.

Tupac kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Er hat sich als Musiker in das Gedächtnis der Menschen gerufen und starb als Legende. Er war trotz seines Ruhmes sozial engagiert und half beispielsweise Kindern und Jugendlichen.
Ali, Tupac und Monkey D. Ruffy haben eines gemeinsam: sie kamen alle aus dem Nichts, glaubten an ihre eigene Wahrheit und haben sich von niemandem kleinkriegen lassen. Sie wussten alle, dass es schwerer wird, wenn sie sich auflehnen würden, aber sie haben das gemacht, was sie für richtig hielten. Diese 3 haben mich sehr geprägt.

Dein Boxstil erinnert etwas aber an Roy Jones jr in jungen Jahren. Weißt du das?

Ja, das sagen mir viele. Ich mag ihn als Boxer, aber ich mag es nicht, wenn man sagt, dass ich einen auf Jones oder Naseem Hamed mache. Ich bin wie die beiden sicherlich zu Späßen augelegt und kann auch auch ordentlich austeilen. Allerdings kennt niemand außer meinem Trainer meinen echten Boxstil. Er sagt, dass meine Stärke darin liegt, dass ich variabel bin. Im nächsten Kampf werde ich nicht die Späßchen machen, zumindest hoffe ich das (lacht). Ich will zeigen, wie anders ich sein kann. Ich erwarte von mir selber immer das Unerwartete.

Rüdiger May: Mehr als nur ein Trainer

Apropos Trainer, welche Rolle spielt Rüdiger May in deinem Leben?

Rüdiger May spielt in meinem Leben eine wichtige Rolle. Allein aus dem Grund, weil er der erste Trainer war, der mir gesagt hat: „Alter aus dir wird was“ und er hat mir eine Chance gegeben. Ich bin ein sehr treuer und loyaler Mensch und werde niemals vergessen, dass Rüdiger May nach meiner Frau Eda an mich geglaubt hat.

Was hast du von ihm am meisten gelernt?

Ich habe von ihm gelernt, kontrolliert zu sein. Ich war ein aggressiver “Kanake“ der auf alles losging was ihm nicht passte. Ich hatte viel zu viel Hass in mir. Er hat mir beigebracht, diesen Hass in Energie umzuwandeln und es zu kontrollieren. Er ist mein Mentor und wie ein Psychologe. Ich bin ihm sehr dankbar für alles.

Du hast türkische Wurzeln. Schon mal über einen Namen nachgedacht, der sich Deutsch anhört wie beispielsweise Josef Flottmann?

(Lacht) Ich glaub ich wäre eher ein Jürgen. Nein, ich bin Yaser Yüksel.

Was ist dein größter Lebenstraum?

Mein größter Traum ist es, meine Ziele als Boxer zu verwirklichen, damit ich mit dem Status eines “Helden“ das umsetzen kann, was wirklich zählt, um die Welt ein Stück zu verändern und Menschen zu helfen. Ich möchte eine Statue und irgendwann mal als Schauspieler bei Crank mitspielen, eigentlich die Hauptrolle, als der neue Jason Statham und das meine ich im Ernst.

Vielen Dank für das sehr intressante Interview

Ich danke euch und bis bald.

Fotos: Mit Erlaubnis von Yaser Yüksel