UFC 213 Romero vs Whittaker

Was für eine Schlacht!

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UFC 213 Romero vs Whittaker

Von Remo Kelm

Vergangene Nacht war es wieder soweit. Die Elite der UFC gab sich in der T-Mobile Arena in Paradise/ Nevada ein Stelldichein und lieferte den Zuschauern vor Ort und jenen an den Bildschirmen spannende Kämpfe. Frauenpower sollte der Veranstaltung die Krone aufsetzen und so wollte im Main Event des Abends die Titelträgerin im Bantamgewicht der Damen, Amanda Nunes, ihren Titel zum zweiten Mal verteidigen. Als Gegnerin war Top-Contender Valentina Shevchenko geplant. Doch es kam anders. Wenige Stunden vor dem Event musste dieser Hauptkampf kurzfristig gecancelt werden, da Nunes in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie klagte über Unwohlsein und obwohl die Ärzte keine Ursache finden konnten, entschied sich die Titelträgerin, an diesem Abend nicht anzutreten. Zwar bot sich Joanna Jedrzejzcyk, Champion in der 115 LBS-Klasse als Ersatzgegnerin für Shevchenko an, leider jedoch konnte der Kampf in der Kürze der Zeit nicht mehr realisiert werden. Doch auch das restliche Programm hatte es in sich. So standen sich beispielsweise Yoel Romero und Robert Whittaker gegenüber, die den Interimstitel im Mittelgewicht unereinander ausfochten. Nach dem Ausfall des eigentlichen Hauptkampfes wurde dieses Gefecht zum Main Event befördert. Außerdem ging es im Kampf der Schwergewichts-Veteranen Fabricio Werdum und Alistair Overeem um eine erneute Chance auf einen Titelkampf gegen Champion Stipe Miocic.

Fabricio Werdum vs Alistair Overeem

In einem Duell der MMA-Dinosaurier trafen  Ex-Champion Fabricio Werdum und Alistair Overeem zum mittlerweile dritten Mal aufeinander. Während Werdum den ersten Kampf noch unter der Pride-Flagge gewinnen konnte, unterlag er Overeem beim Rückkampf im Strikeforce-Käfig. Somit ging es für jeden der beiden darum, dieses Rubbermatch zu seinen Gunsten zu entscheiden. Beide wollten sich mit einem Sieg im Herbst Ihrer Karriere noch einmal die Chance auf den Titelkampf erarbeiten und hatten sich nach ihren Niederlagen gegen Titelträger Stipe Miocic mit Triumphen gegen Travis Browne bzw. Mark Hunt wieder ins Gespräch gebracht. Sowohl Werdum als auch Overeem brennen auf eine Revanche gegen den Champ aus Cleveland/ Ohio.

Der Kampf:

Der Respekt der beiden Kontrahenten voreinander war in der ersten Runde deutlich sichtbar. In einem nahezu ereignislosen Durchgang agierte Overeem überaus abwartend und lauerte auf Fehler Werdums, der äußerst konzentriert wirkte und der etwas Aktivere in den ersten fünf Minuten war. Leider war auch die zweite Runde von vorsichtigem Abtasten geprägt. Während Werdum mehr Aktionen brachte, die allerdings leider nur selten ihr Ziel fanden, war Overeem der effektivere Kämpfer, der erheblich weniger Output zielgenauer unterbringen konnte. Die dritte und letzte Runde war dann auch die spektakulärste. Fabricio Werdum traf den Niederländer mit einem schweren Knie zum Kinn, welches „the Reem“ deutlich anklingelte. In der Folge konnte Werdum weitere schwere Treffer landen und Alistair Overeem konnte sich, stark gezeichnet, nur noch schwer auf den Beinen halten. Werdum brachte seinen angeschlagenen Gegner mit einem Takedown zu Boden, wo er den Kampf bis zum Ende der Runde kontrollierte und ihm weiter zusetzen konnte. Am Ende mussten die Punktrichter entscheiden, welche in einem äußerst umstrittenen Urteil, das von den Zuschauern mit Pfiffen quittiert wurde, Overeem durch Majority Decision zum Sieger erklärten.

„The Reem“ kann das Rubbermatch gegen Werdum mit einem kontroversen Urteil für sich entscheiden und empfiehlt sich damit für eine weitere Titelchance.

Yoel Romero vs Robert Whittaker

Durch die lange Käfig-Abstinenz des Mittelgewichtschampions Michael Bisping entschloss sich UFC- Impressario Dana White, einen Interims-Titel zu kreieren. Diesen sollten zwei ganz besondere Athleten untereinander ausmachen. Yoel Romero und Robert Whittaker. Beide gingen mit einer beeindruckenden Siegesserie von 7 bzw. 8 Kämpfen in Folge entsprechend selbstbewusst in das Gefecht. Dem Sieger würde ohne jeden Zweifel die nächste Titelchance gegen den umstrittenen Champ Michael „the Count“ Bisping zustehen.

Der Kampf:

Was für eine Schlacht!

Whittaker und Romero haben dem neuen Status ihres Kampfes als Main Event alle Ehre gemacht und den Zuschauern eine spektakuläre Vorstellung geboten. Whittaker bewies schon in der ersten Runde, aus welchem Holz er geschnitzt ist und bestach bereits hier durch eine exzellente Takedown-Defense gegen einen der besten Wrestler, die jemals ein Oktagon betreten haben. Der Kampf war im ersten Durchgang geprägt von Romeros erfolglosen Versuchen, das Gefecht auf den Boden zu verlagern. In der zweiten Runde allerdings sollte ihm dies dann auch gelingen und er konnte einige Zeit in Top-Control verbuchen und auch im Clinch am Käfigrand punkten. Dies war jedoch nur auf den Punktzetteln von Belangen, denn Schaden konnte der „Soldier of God“ damit kaum anrichten.

Takedowndefense vom anderern Stern

Ab der dritten Runde fand Whittaker immer besser in den Kampf und bestimmte das Gefecht im Stand, während Romero konditionell bereits deutlich abbaute. Dieses Bild setzte sich auch in den beiden letzten Runden fort. Romero hatte kaum noch mehr zu bieten, als verzweifelte Takedownversuche. Whittaker allerdings hielt sich den Kubaner immer wieder sehr geschickt mit gut getimten Frontkicks vom Leib und setzte ihm mit schweren Punches und Kicks zu. Romero hatte nichts mehr entgegenzusetzen, war mehrmals deutlich angeschlagen und fand sich am Ende des Kampfes schließlich sogar auf dem Rücken wieder, wo er sich dem harten Groundandpound Whittakers erwehren musste. Am Ende mussten erneut die Punktzettel herhalten, die alle mit jeweils 48:47 für den Australier Whittaker sprachen.

Fazit:

Robert Whittaker hat sich trotz einer kleinen Verletzung am Bein, welche er sich in der ersten Runde einhandelte, mit einer beeindruckenden Leistung und erstklassgiger Takedowndefense den Interims-Titel im Mittelgewicht geholt, was ihn nun zum Top-Herausforderer für Champion Michael Bisping macht. Wenn Whittaker diese Leistung konservieren und eventuell sogar ausbauen kann, muss sich Bisping ohne jeden Zweifel warm anziehen.

Ein weiterer Fight of the Night Kandidat des Abends war außerdem das Gefecht zwischen Anthony Pettis und Jim Miller. Spektakuläres Standup prägte den Kampf ebenso wie exzellentes Groundgame. Pettis konnte den Kampf letztlich mit einem einstimmigen Punktsieg zu Recht für sich entscheiden und erinnerte mit seiner Leistung an beste „Showtime“-Zeiten.

Alle Ergebnisse von der UFC 213 Las Vegas im Überblick

Main Card:

- Robert Whittaker besiegt Yoel Romero via Unanimous Decision 

- Alistair Overeem besiegt Fabricio Werdum via Majority Decision 

- Curtis Blaydes besiegt Daniel Omielanczuk via Unanimous Decision (3 x 30-27) 

- Anthony Pettis besiegt Jim Miller via Unanimous Decision (3 x 30-27 ) 

- Rob Font besiegt Douglas Silva de Andrade via Submission (Guillotine Choke) (2. Rd, Min 4:36) 

Undercard:

- Oleksiy Oliynyk besiegt Travis Browne via Submission (RNC) (2. Rd, Min 3:44)

- Chad Laprise besiegt  Brian Camozzi via  TKO (3. Runde, Min 1:27)

- Thiago Santos besiegt Gerald Meerschaert via  TKO (2. Runde, Min 2:04)

- Belal Muhammad besiegt Jordan Mein via Unanimous Decision (29-28, 29-28, 30-27)

- Cody Stamann besiegt  Terrion Ware via Unanimous Decision (30-27, 30-27, 29-28)

- Trevin Giles besiegt  James Bochnovic via TKO (2. Rd, Min 2:54)