SUPERIOR FC zwischen Fluktuation, Understatement und Politik

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SUPERIOR FC zwischen Fluktuation, Understatement und Politik

Die in Deutschland ansässige MMA-Organisation SUPERIOR FC (SFC) hat es aktuell mit einer hohen Fluktuation von eigenen Athleten zu tun. Fast wöchentlich ist einer ihrer Kämpfer bei internationalen Eventreihen am Start oder hat wie im Fall von Nasrat Haqparast kürzlich bei der UFC unterschrieben. Als Außenstehender bekommt man dabei zwangsläufig ein mulmiges Gefühl, da man sich generell Sorgen um den kleinen deutschen Kämpfermarkt von Vollprofis macht, also jenen Sportlern, die nicht mehr arbeiten gehen müssen. Doch nun kommt die Überraschung: Die Organisatoren von Superior begrüßen das, zumindest wenn ihre Athleten international aktiv sind.

Understatement und Professionalität 

Wer einmal das Vergnügen hatte, mit den Verantwortlichen hinter den Kulissen von Superior FC zu arbeiten, weiß, wie ruhig und besonnen sie im Hintergrund zu Werke gehen. Jeder hat seine Aufgabe, alles ist von A bis Z durchdacht. Natürlich passieren ihnen auch Fehler, aber für die sie bislang immer gerade stehen. Man hat manchmal das Gefühl, dass sie viel zu leise agieren, aber auch das gehört zu ihrer Philosophie. Es ist nicht der Stil der Organisatoren, sich in den Vordergrund zu stellen. Dieses Understatement hat aber einen triftigen Grund: Der Star ist die Marke Superior FC und natürlich die Athleten wie Abus Magomedov, Max Coga, Roberto Soldic und die vielen anderen Protagonisten des Käfigs. So ist man auch nicht mehr erstaunt, wenn die Kämpfer wie aus einem Guss folgende Beschreibung über ihren Arbeitgeber abgeben: Superior FC ist professionell.

Große Ziele

Den internationalen Vergleich auf europäischer Ebene scheut SFC schon jetzt nicht, doch das Ziel ist es, in Zukunft unter die Top Ten in der Welt zu rücken und damit aber auch den immer noch in den Kinderschuhen steckenden deutschen MMA-Sport ordentlichen voranzubringen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ein harter und beschwerlicher Weg liegt noch vor den Wiesbadenern.

Hohe Kämpfer-Fluktuation

Aber wo stecken sie denn nun alle, die Superior-FC-Athleten? Sie sind fast überall in der Welt unterwegs. So war das Juwel Roberto Soldic am vergangenen Samstag bei Cage Warriors aktiv und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Düsseldorfer knockte den Waliser Lokalmatador Lewis Long nach gerade einmal 31 Sekunden aus und stürzte die Halle in Newport in tiefe Trauer. Dan Hardy, der ehemalige UFC-Kämpfer und heutige Kommentator und Fox-Sport-Analyst war tief beeindruckt vom Superior Champion und traut dem erst 22-Jährigen eine große Karriere in der UFC zu. Nicht die schlechteste Referenz, wenn einer wie Hardy, der so nah an der UFC ist und selbst einst über Cage Warrior den Sprung in die USA schaffte, überschwänglich den deutschen Import feiert. Aber, das sollte auch klar sein, wird Roberto Soldic als SFC Champion 2018 definitiv seinen Gürtel in Deutschland verteidigen. Auch sein Manager Ivan Dijakovic bremst ab und verweist auf das Alter des Deutsch-Kroaten, der alle Zeit der Welt bekommen soll, um auf dem höchsten Level ein Dominator zu werden.

Superior FC ist über alle Vorgänge im Bilde 

Ein weiterer Superior FC Champion war mit Edgar Skivers am Samstag ebenfalls international unterwegs. Bei der kaukasischen MMA-Organisation ACB gewann der sympathische Lette gegen einen starken Kanadier und steigerte seinen Marktwert weiter. Zudem unterschrieb der Kroate Antun Racic einen Vertrag bei der polnischen MMA-Organisation KSW, Shootingstar Ugur Özkaplan wird für die südafrikanische Promotion EFC kämpfen, Giovanni Melillo war nach Darmstadt ebenfalls Cage Warriors erfolgreich – alle sind erfolgreiche SFC Athleten. Und Erfolg erhofft sich Superior auch von ihrem Kultkämpfer Björn Schmiedeberg, der deren Schwergewichtschamp ist und bei Final Fight Championship (FFC) gegen Judo-Legende und Olympiasieger Satoshi Ishii antreten wird. Natürlich sind alle Verträge und Kämpfe mit der Zustimmung von Superior FC geschehen.

Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen 

Es ist ein Nehmen und Geben sagt man bei den Wiesbadenern, die auch selbst immer wieder starke Leute der genannten Organisationen engagieren und gegen ihre eigenen Stars wie Max Coga, Abus Magomedov und Co. ran lassen. Ihnen ist der internationale Vergleich ihrer Athleten sehr wichtig, sie wissen aber auch, dass Superior FC eine starke Visitenkarte für die Sportler ist. Auch Lom-Ali Eskijew, der eingangs erwähnte Nasrat Haqparast und sogar eine UFC-Größe wie Yoel Romero, haben eine Superior-FC-Vergangenheit. 

National dürftige Zusammenarbeit unter den Veranstaltern

Die Wiesbadener, die trotz ihres internationalen Ansehens in Deutschland noch stark um die Gunst der Fans kämpfen müssen, betonen immer wieder, wie wichtig es ihnen ist, dass auch die deutsche Konkurrenz stark aufgestellt ist und ebenfalls international für Aufsehen sorgt. Doch mit dem stetig schrumpfenden Pool an deutschen Spitzenathleten treten dabei auch Probleme untereinander auf, auf die man teilweise nicht gut zu sprechen ist. So soll es mehrfach vorgekommen sein, dass man sich ohne Rücksprache vonseiten der nationalen Konkurrenten beim Superior-Kontingent bedienen wollte.

Man kann mit uns über alles reden, aber es nutzt niemanden hier etwas, wenn immer wieder die gleichen Athleten bei den 3-4 bekanntesten Organisationen in Deutschland auftreten“, sagen die SFC-Verantwortlichen.

Hört sich plausibel an, da es zu einem Überdruss bei den Fans kommt. Kaum ein reiner MMA-Veranstalter bekommt aktuell eine 2.000 und mehr Zuschauer fassende Arena voll. Die Zuschauerzahlen stagnieren, doch neue Eventreihen sprießen trotzdem wie Pilze aus dem Boden. So kämpfen reine Amateure mittlerweile bei vielen kleinen Organisationen als Profis, aber ohne die ganzen dazugehörenden professionellen Rahmenbedingungen. Im internationalen Vergleich bleiben diese Athleten vom Können aber Amateure und eigentlich täuscht man damit nur die Fans in Deutschland, wenn diese als Pro-MMA-Kämpfer angepriesen werden.

Schwierige Presselandschaft

Als wäre das alles nicht schwierig genug, leidet das Image von MMA hierzulande auch wegen diverser Pressevertreter. In regelmäßigen Abständen stellt der Boulevard mit unsachlichen Berichten MMA gerne als blutrünstigen Käfigsport mit hochgezüchteten aggressiven Kampfmaschinen dar, macht damit den technisch und körperlich aufwendigsten Kampfsport  der Welt nieder.

Auf der anderen Seite kämpft die Szene mit zu wenig Berichterstattung vonseiten der Fachpresse, teils, weil irgendeinem Redakteur gerade eine Laus über die Leber gelaufen ist oder weil man loyal zu einem Veranstalter steht.
Davon machen wir uns bei German Fight News auch nicht frei und es waren genau die Organisatoren von Superior FC, die uns gesagt haben, dass wir über alle großen Veranstaltungen schreiben sollten und nicht nur über 1-2, die gut zu uns sind. SFC hat uns so an unseren eigenen Leitsatz erinnert: Keine Politik, nur Kampfsport.
Damit wurden wir selbst tief ins Mark getroffen, aber zurecht, und die Kritik hat uns in unserer Sicht noch einmal offener gemacht. Es geht in Deutschland um das große Ganze, nicht um eine einzige Eventreihe, einen einzelnen Kämpfer oder um ein Kampfsportportal, sondern darum, dass wir es schaffen, ein starkes Fundament auf wackeligen Boden aufzubauen. Dabei muss man auch Kritik annehmen können.

Glanz im Schatten der UFC

Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass viele Superior-FC-Kämpfer zuletzt international für Aufsehen sorgen konnten, genau wie im Gegenzug internationale Athleten von Bellator, Cage Warriors, KSW, M1 und anderen namhaften Organisationen in Ludwigshafen dabei waren und im Schatten der UFC hierzulande für internationalen Glanz gesorgt haben. Doch innerhalb der Szene hängt der Haussegen etwas schief, eigentlich nichts Gravierendes, aber etwas, bei dem die Personen ALLE auf sich zugehen müssen und klären sollten, was dem Kampfsport nutzt und was schadet und gemeinsam einen Ehrenkodex aufstellen, und sich den Leitspruch “We are all one“ auf die Fahnen schreibt.

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