Ronda Rouseys Coach will Kampf gegen Cris Cyborg

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 Ronda Rouseys Trainer Edmond Tarverdyan will Kampf gegen Cyborg

Von Remo Kelm

Michael Jordan oder „Magic“ Johnson? Muhammad Ali oder Joe Louis? Ayrton Senna oder Michael Schumacher? Pele oder Messi? Die Frage nach den besten Athleten in einer bestimmten Sportart ist so alt wie der Sport selbst. Ob im Basketball, im Fußball, im Boxen oder in der Formel 1: Überall stellen sich Fans seit Jahr und Tag die berühmteste aller Gretchenfragen. Auch MMA blieb und bleibt von einer solchen Debatte nicht unberührt. Insbesondere im Bereich des Frauen-MMA treibt diese Frage spätestens seit Strikeforce-Zeiten Fans wie Fighter gleichermaßen um. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die beste MMA-Kämpferin aller Zeiten? Okay, die Frage reimt sich zwar nicht, hat aber durchaus ihre Berechtigung. Wen man in der MMA-Community auch fragte, die überwältigende Mehrheit der Menschen stimmte entweder für Ronda Rousey oder Cris Cyborg. Aus dieser bis heute andauernden Diskussion hat sich eine Rivalität der beiden Frauen entwickelt, die im Damen-MMA ihresgleichen sucht. Nach Rouseys Demontagen gegen Holm und Nunes war diese Frage fast in Vergessenheit geraten und man hatte sich damit abgefunden, darauf niemals eine Antwort zu bekommen. Doch ausgerechnet Ronda Rouseys Trainer Edmond Tarverdyan hat diese Diskussionen nun neu entfacht, indem er plötzlich von einer realistischen Möglichkeit des so lang ersehnten Kampfes redet.

Warum „ausgerechnet“ Tarverdyan?

Natürlich werdet ihr euch jetzt fragen, warum ich in diesem Zusammenhang den Begriff „ausgerechnet“ verwende. Nun, jeder, der diese langjährige Rivalität seit ihrem Urknall verfolgt hat, wird den Grund kennen. Blicken wir aber gern noch mal zurück. Seit der gemeinsam erfolgreichen Strikeforce-Zeit ist ein eventuelles Duell der beiden Ladys in aller Munde. Cris Cyborg hatte mehr als einmal betont, einen solchen Kampf realisieren zu wollen. Die Reaktion aus dem Rousey-Camp war stets die gleiche. Beleidigungen unter der sprichwörtlichen Gürtellinie, abfällige Äußerungen und ein ständiges Versteckspiel hinter dem Bantamgewichtslimit (135 lbs), wohl wissend, dass Cyborg diese 135 Pfund niemals gesund würde bringen können. Wir erinnern uns, Ronda gewann olympische Judo-Bronze im Jahre 2008 in der Gewichtsklasse bis 70 kg, was 154 amerikanischen Pfund entspricht. Sie war also in der Lage, mit einem Gewicht von 154 lbs zu olympischen Ehren zu gelangen, es war ihr aber nicht möglich, bei 145 oder 140 lbs gegen Cris Cyborg anzutreten?! Ihre ersten MMA-Kämpfe bestritt Rousey im

 Federgewicht bei 145 lbs, trat gegen Charmaine Tweet gar bei einem Catchweight von 150 lbs an, dasselbe oder sogar etwas weniger Gewicht war für einen Kampf gegen Cyborg also nicht drin? Nun ja, schließlich besann sich Rousey aufs Bantamgewicht und eine Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Gewichtsklasse war selbstverständlich unmöglich. Naja, zumindest, wenn es um einen Kampf gegen Cyborg ging. Unnötig zu erwähnen, dass Ronda für einen potenziellen Fight gegen Gina Carano selbst 145 lbs als Kampfgewicht angeboten hatte. Anstatt also auf Cyborgs Angebote einzugehen, hatten Ronda Rousey und ihre Gefolgschaft nichts als Hohn und Spott für Invicta-Champion Cris Cyborg übrig.

Will Tarverdyan sich noch ein letztes Mal an Ronda bereichern?

Und jetzt, wo Rondas Stern gesunken ist, jetzt, wo niemand sie vermisst, jetzt, wo Cyborg auf dem Zenit ihres Erfolges angekommen zu sein scheint, ausgerechnet jetzt kommt Edmond Tarverdyan mit dem Vorschlag eines Kampfes um die Ecke. Ausgerechnet dieser Tarverdyan, der sich in der Vergangenheit am abfälligsten über FW-Titelträgerin Cris Cyborg geäußert hat. Doch was steckt dahinter? Nun, die Intention ist freilich recht leicht zu durchschauen. Edmond Tarverdyan, die Nr.1 auf Rondas Gehaltsliste, hat offenbar nicht einmal das Fünkchen Skrupel, seinen schwer angeschlagenen Goldesel Rousey Cris Cyborg zum Fraß vorzuwerfen, um noch einen letzten großen Zahltag zu ergattern. Wohl wissend, dass seine Felle ohne Ronda in weite Ferne davonschwimmen. Dieser Tarverdyan ist sich offenbar nicht zu schade, eine Ronda noch einmal zu einem letzten Kampf zu überreden, die mental bereits von Holly Holm gebrochen wurde und der dieses Trauma offensichtlich auch im Kampf gegen Amanda Nunes zum Verhängnis geworden war. Die ersten Treffer von Nunes reichten offenkundig aus, um bei Ronda eine Art Flashback hervorzurufen. Der KO gegen Holm war plötzlich wieder allgegenwärtig. Ronda verlor sofort das restliche Bisschen Selbstvertrauen, welches ihr nach der Demontage gegen Holm noch geblieben war. Sie verfiel umgehend in einen Panikmodus und torkelte nur noch unkoordiniert im Oktagon umher. Rondas Nimbus der Unbesiegbarkeit, von dem sie stets so sehr zehrte, war endgültig vorbei.

Ein verantwortungsvoller Coach würde …

Ob ein anderer Trainer während des Nunes-Kampfes im Angesicht ihrer absoluten Überlegenheit das Handtuch geworfen hätte, bleibt Spekulation. Ebenso hypothetisch ist die Frage, wie erfolgreich Rousey unter Jackson/Wink, AKA, ATT oder Tristar geworden wäre. Ein verantwortungsvoller Trainer jedenfalls hätte Ronda ganz sicher einen endgültigen Rücktritt ans Herz gelegt, anstatt sie noch einmal aus rein monetären Gründen in die Höhle des Löwen zu schicken. Ein verantwortungsvoller Trainer hätte Rousey sicher nicht eingeredet, sie sei ein weiblicher Roy Jones Jr. und könne deshalb ohne Weiteres gegen eine mehrfache Box- und Kickboxweltmeisterin im Stand bestehen. Nur um sie nach einer desolaten Leistung im ersten Durchgang in der Rundenpause auch noch darin zu bestärken. Edmond Tarverdyan hat es außerdem fertiggebracht, aus Travis Browne, einem vielversprechenden Anwärter auf den HW-Titel, einen Midcarder mit (unter seinen Fittichen) negativem Kampfrekord zu machen (zuletzt 4 Niederlagen in Folge). Ein weiterer Punkt, der Tarverdyans Reputation nicht gerade zuträglich ist.

Cyborg vs Rousey – sportlicher Wert

Dieser Edmond Tarverdyan ist es also, der jetzt mit der bahnbrechenden Idee Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen versucht, einen Kampf Rousey vs. Cyborg zu verwirklichen. Doch mal ehrlich, wer will das wirklich noch sehen? Die Spannung dieses Duells hat ihre Halbwertzeit weit überschritten. Ronda Rousey ist gebrochen worden und wird niemals mehr mit einem solchen Mindset in einen Kampf gehen können, wie sie es in ihrer besten Zeit tat. Holm und Nunes haben ihr jegliches Selbstvertrauen ausgesaugt. Cyborg hingegen erstrahlt derzeit in einem nie da gewesenen Glanz und ist offensichtlich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Ronda Rousey hat ihr einfach nichts mehr zu bieten. Der Zug ist abgefahren und Team Rousey hat ihn verpasst. Es bleibt zu hoffen, dass sich Cris Cyborg an all die Beleidigungen und die Giftpfeile erinnert, die ihr in schöner Regelmäßigkeit aus dem Rousey-Camp entgegengeflogen kamen und von einem Kampf absieht. Das kann man auch Rousey selbst nur wünschen, denn mittlerweile würde sie sich mit einem solchen Fight keinen Gefallen mehr tun. Derjenige, der von diesem Gefecht am meisten profitieren würde, wäre Edmond Tarverdyan, und zwar finanziell. Ausgerechnet er ist es auch, der diesen Kampf, den er so lange unter Zuhilfenahme haarsträubender Ausreden unbedingt vermeiden wollte, jetzt selbst ins Gespräch bringt. Warum nur?

Ein Kelm, der Böses dabei denkt!