Max Goldenberg: Ich bin ein Krieger im Käfig und auch privat ein Kämpfer

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Interview mit Max Goldenberg

Foto: René Bakodi

MMA-Profikämpfer Max Goldenberg, geboren in Tschetschenien, hat mit seinen 24 Jahren schon viel gesehen und erlebt. Neben anfänglichen Sprachbarrieren in Österreich und etlichen Schulwechseln, machte sich Max als Anführer der gefürchteten Goldenberg-Jugendbande in Wien einen Namen. Jetzt will Max nur noch im Oktagon kämpfen und damit andere Jugendliche vor unüberlegten Handlungen schützen.

Hallo Max! Danke fürs Interview. In Deutschland bist du noch nicht so bekannt – anders in Österreich. Dort konntest du dir mit deinem offensiv-aggressiven Kampfstil nach zwei Profikämpfen einen Namen machen. Erzähl‘ uns doch etwas über dich und wie du zum Kampfsport kamst.

Foto: René Bakodi

Max Goldenberg: Als ich mit zehn Jahren nach Österreich kam, habe ich ein Jahr Taekwondo gemacht. Ich habe mich dann lieber im Park mit anderen Jungs geprügelt als in irgendeinem Verein. So ging das eine Weile weiter, bis mich eines Tages mein künftiger Trainer beim McDonalds zufällig ansprach, weshalb ich so viele blaue Flecken hätte. Er schlug mir vor, lieber in seinem Gym zu trainieren, anstatt mich zu prügeln und so begann ich MMA zu trainieren.

Wie lange hat es dann gedauert bis du zum ersten Mal im Käfig standest?

Es hat einige Umwege gebraucht, bis ich dann endlich als Amateurkämpfer im Oktagon stand. Dieses Jahr im März war es soweit. Ich konnte einen erfahrenen Gegner im BJJ bereits nach 35 Sekunden K.o schlagen.

Welche Umwege meinst du?

Ich musste mir zuerst darüber klar werden, dass das Abhängen im Park mit ständigem Polizeikontakt und schlussendlich einer Haftstrafe nicht das wahre Leben ist gegenüber einem regulären Schulunterricht. Im Nachhinein ist man immer schlauer, doch nun konzentriere ich mich voll und ganz auf MMA.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die du aus dieser Zeit gewonnen hast?

Jetzt weiß ich, was mir wirklich wichtig im Leben ist und das ist der Sport. Wenn man jung ist, denkt man nicht über die Konsequenzen für sein Handeln nach. Ich setze nun Prioritäten, die fernab von kriminellen Machenschaften sind.

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Kurz vor einem Kampf – wie fühlst du dich? Was geht in dir vor?

Ich kann es kaum abwarten in den Oktagon zu steigen. Die Stunden vor einem Kampf kann ich gar nicht in Worte fassen, einerseits will ich einfach reingehen und einen guten Kampf abliefern, also K.o. in der ersten Runde, anderseits hat man natürlich auch Respekt vor dem Gegner. Doch eigentlich überwiegt der Drang alles zu geben.

Als was für einen Kämpfer würdest du dich selber beschreiben?

Viele meinen ich sei ein aggressiver Kämpfer, ich würde eher sagen ein intensiver Kämpfer. Ich klopfe so gut wie nie ab, ich gebe 110 Prozent und auch Verletzungen halten mich nicht davon ab einen Kampf aufzugeben.

Max Goldenberg der Sportler und der Privatmensch – gibt es Ähnlichkeiten oder Unterschiede?

Ich bin ein Krieger im Ring und auch privat ein Kämpfer, denn das ganze Leben ist ein Überlebenskampf.

Für welche Dinge kannst du dich abseits des Kampfsports begeistern?

Was mich auch sehr reizt, ist die Schauspielerei. 2014 durfte ich in einem Kinofilm mitwirken. “Risse im Beton“ heißt der Film.

Im November findet dein erster Titelkampf statt, wie laufen die Vorbereitungen?

Ab August beginnen meine Vorbereitungen intensiver, dann heißt es wieder für die nächsten drei Monate: trainieren, essen, schlafen.

Dein Profidebüt hast du im April bei der Vendetta XV in Wien gegen den Serben Sinisa Kondic gegeben. Was hast du erwartet, als du in den Kampf gingst und hattest du eine Strategie?

Ich war von meinem Training noch verletzt und daher nicht so angriffslustig und eher defensiv. Meine Strategie war daher, warten bis mein Gegner angreift. Und das ging auf. Ich wartete eine gute Gelegenheit ab und die kam, als mein Gegner einen Spinning Back Kick machen wollte, der ihm jedoch nicht gelang. Ich griff an und brachte ihn zu Boden.

In Deutschland wächst das Interesse an MMA immer mehr. Zuletzt war die UFC wieder in Hamburg zu Gast. Wie siehst du die aktuelle Situation in Österreich?

Dort ist es genauso, die MMA-Szene in Österreich ist am wachsen und dennoch bleibt dieser Sport in einer Nische. Ich konzentriere mich auf mich und MMA. Die Zeit wird schon zeigen wie es weitergehen wird mit dem Sport.

Gibt es einen deutschen Kämpfer gegen den du kämpfen willst?

Nick Hein!

Warum gerade gegen ihn?

Foto: René Bakodi

Er war Polizist und kämpft in der UFC. Wann bekommt man schon einmal so eine Gelegenheit? (lacht)

Wer sind deine Trainingspartner und wie bereitest du dich auf deine Kämpfe vor?

Mein Team ist das Iron Fist Gym. Ich trainiere gemeinsam mit meinen MMA-Kollegen Tarhan Ibragimov, Hasan Hamzatov, Ruslan Barakhoev und meinem MMA-Coach Ivan Rodrigues.

Warum hast du dich gerade für MMA entschieden?

Man kann jeden Stil anwenden und das ist für mich das Ausschlaggebende. Ich kann mich sowohl im Stand als auch am Boden messen, von daher sehe ich das als einen kompletten Kampfsportstil.

Welche Ziele möchtest du noch als Kampfsportler erreichen?

Wie die meisten Kämpfer würde ich gerne mal in den höchsten Ligen kämpfen, wie UFC, Bellator oder ACB. Und davor möchte ich so viele Kämpfe wie möglich bestreiten, um mehr Erfahrungen zu sammeln.

Welchen Ratschlag kannst du jungen Kämpfern mitgeben, die auch den Weg eines Pro-Fighters gehen möchten?

Mehr Zeit im Gym als auf der Straße zu verbringen. Ihre Energie sollten sie sinnvoll nutzen und nicht um das Gesetz zu brechen. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt!

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Das Interview führte Alina

Fotos: René Bakodi