Khabib Nurmagomedov: „Der härteste Kampf meiner Karriere“

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 Khabib Nurmagomedov: Ich will Justin nicht unterschätzen.

Er ist der UFC Champion im Leichtgewicht! Das ungeschlagene Phänomen – Khabib Nurmagomedov. Das Streamingportal DAZN sprach mit dem Dagestaner über seinen kommenden Kampf gegen Justin Gaethje, sein Ziel gegen Georges St-Pierre zu kämpfen und Conor McGregor.

Danke für deine Zeit. Wie ist die Zeit auf Fight Island. Du bist schon seit Wochen dort. Wir läuft die Vorbereitung?

Ich bin jetzt seit über einem Monat hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Alles läuft sehr gut soweit. Mein ganzes Team ist hier. Wir sind rund 30 Leute. Wir trainieren jeden Tag zwei Mal, aber es läuft sehr gut. Das ist jetzt die letzte harte Trainingswoche und ab nächster Woche steht dann nur noch leichtes Training und der Weight-Cut an.

Freust du dich darauf endlich wieder einen Kampf vor der Brust zu haben? Du bist zwar immer im Training, aber du hattest jetzt trotzdem eine sehr lange Pause seit deinem Kampf gegen Dustin Poirier. Freust du dich darauf endlich in die Fight Week zu starten?

Ja, ich freue mich und ich bin wirklich sehr gespannt auf meinen nächsten Kampf. Eigentlich trainiere ich ja immer, egal ob ein Kampf ansteht oder nicht. Ich kann eigentlich nicht vernünftig leben, ohne zu trainieren. Aber klar, wenn ein Kampf ansteht, dann bin ich konzentrierter, trainiere härter und gehe auch intensiver im Sparring zur Sache. Aber wenn ich keinen Kampf habe, dann trainier ich trotzdem. Ich trainiere mein Grappling, ich mache meine Läufe, ich stemme Gewichte. Ich halte immer die Konzentration hoch. Und wenn ich dann einen Kampf bekomme, dann fahre ich das Sparring hoch. Denn du kannst nicht jeden Tag hartes Sparring machen, wenn kein Kampf ansteht. Du musst auf dich und auf deinen Körper achten. Hartes Sparring zerstört deinen Körper und du kannst dann keine langlebige Karriere aufbauen. Also bleibe ich immer im Training und fahre dann mein Sparring hoch, wenn ich einen Kampf bekomme.

Wie wichtig ist dieser Kampf gegen Justin Gaethje? Du hast oft gesagt, dass du ihn respektierst und du kennst auch seine Stärken, besonders sein Striking. Aber wo ordnest du diesen Kampf in deiner Karriere ein? Wie schwer wird diese Aufgabe?

Ich male mir im Kopf aus, dass das der härteste Kampf meiner Karriere wird. Er ist ein sehr guter und harter Kämpfer. Ich will Justin nicht unterschätzen. Ich will nicht alles, was ich mir in den letzten fünfzehn bis sechzehn Jahren im MMA-Sport aufgebaut habe, verlieren. Ich will keinen Kampf verlieren. Deshalb muss ich konzentriert bleiben und darf Justin Gaethje nicht unterschätzen.

Und was den Kampfverlauf angeht: Ich habe den selben Gameplan wie immer. Nichts Besonderes. Ich werde nach vorne gehen, Druck aufbauen und ihn müde machen. Ich möchte ihn einfach zur Aufgabe zwingen. Erst mache ich ihn müde und dann zwinge ich ihn zur Aufgabe. Das ist mein Plan.

Wenn du Champion bist, dann wird es immer zwei Optionen geben. Nummer eins: Du lässt dich ablenken. Denn du bist jetzt ein Champion. Du hast Geld, du schließt Verträge ab, du musst viel reisen. So verlierst du deinen Fokus. Auf diese Weise verlieren viele Champions.

Wir haben uns letztes Jahr in Usbekistan getroffen, als dein Cousin Umar bei GFC in Taschkent seinen letzten Kampf absolviert hat. Wir haben damals über Boxen und Anthony Joshua gegen Andy Ruiz gesprochen. Es ging dabei besonders darum, wie schnell Champions Gegner unterschätzen, wenn sie durch Erfolg und Geld zu satt werden. Ist das eine Gefahr mit der du dich beschäftigst?

Wenn du Champion bist, dann wird es immer zwei Optionen geben. Nummer eins: Du lässt dich ablenken. Denn du bist jetzt ein Champion. Du hast Geld, du schließt Verträge ab, du musst viel reisen. So verlierst du deinen Fokus. Auf diese Weise verlieren viele Champions.

Die zweite Option ist: Du wirst Champion und das steigt dir zu Kopf. Dann fängst du an Gegner zu unterschätzen. Es gibt nur diese beiden Optionen: Fokus verlieren oder Gegner unterschätzen. Ich lasse mich nicht ablenken und ich unterschätze keinen meiner Gegner. Ich habe die Karriere von vielen Champions im Sport verfolgt und ich versuche aus ihren Fehlern zu lernen. Denn ich möchte nicht aus meinen eigenen Fehlern lernen. Ich möchte lieber keine eigenen Fehler machen. Deshalb achte ich auf die ganz kleinen Dinge. Denn die kleinen Dinge machen dich Stück für Stück zum Champion. Aber die kleinen Dinge können auch dazu führen, dass du verlierst. Also man immer konzentiert bleiben. Wenn du hungrig bist, wenn du konzentriert bleibst und deine Gegner nie unterschätzt, dann wirst du immer ein Champion bleiben.

Du hast bereits sehr viele kleine Schritte gemacht. UFC 254 könnte Schritt Nummer 29 zu einem großen Vermächtnis sein. Du hast oft gesagt, dass du der dominanteste Kämpfer der UFC Geschichte und Pound-for-Pound Nummer 1 werden willst. Was bedeutet es wenn du gegen Justin Gaethje gewinnst und bei 29-0 stehst? Und was kommt danach?

Natürlich will ich meine Gegner immer dominieren. Wenn ich das Oktagon betrete, will ich nicht eine Sekunde des Kampfes verlieren. Was nach UFC 254 kommen wird weiß ich wirklich nicht. Ich wäre dann seit dreizehn UFC-Kämpfe ungeschlagen, hätte meinen Titel zum dritten Mal verteidigt, stehe bei 29-0 in meiner professionellen MMA-Laufbahn. Ich denke die UFC muss mich dann auf Platz 1 der Pound-for-Pound Liste setzen. Jon Jones hat lange Zeit nicht gekämpft und seine letzten Kämpfe haben niemanden überzeugt. Viele Leute sagen sogar er hätte Kämpfe verloren, er hat definitiv einige Runden verloren. Also ich denke, nach einem Sieg gegen Justin ist mein Platz auf Nummer 1 der Pound-for-Pound Liste.

Dafür muss du aber erst gegen Justin gewinnen. Beim virtuellen Media Day der UFC hast du sehr positiv über Gaethje’s Trainer Trevor Wittman gesprochen. Wie groß ist dieser Faktor? Sind die Trainer noch wichtiger in einer Arena ohne Fans?

Ich denke Trevor Wittman ist ein großartige Coach. Er ist sehr schlau. Ich glaube er war selbst nie im MMA-Sport aktiv. Aber sein Verständnis für den Sport ist riesig. Ich habe immer darauf geachtet, wie er Justin bei seinen Kämpfen gecoacht hat. Er verfügt über ein großes Wissen, er kann Kämpfe lesen, versteht die Gegner und hat einen guten Zugang zu Justin. Dieser Trainer ist definitiv ein riesiger Vorteil für Justin.

Musst du also gegen zwei Gehirne kämpfen? Macht das die Aufgabe für dich schwerer?

Das gilt für Justin genauso. Ich habe schließlich auch großartige Trainer. Früher war das mein Vater und an seinem System hat sich nichts geändert. Außerdem habe ich meinen Headcoach Javier Mendez auf meiner Seite. Ihn zeichnen sein Verstand, seine Disziplin und seine Loyalität aus. Er kann sehr schnell Veränderungen im Kampf erkennen, da er selber lange aktiv war. Er hat in seinem Gym auch schon viele UFC-Champions aufgebaut. Er versteht den MMA-Sport. Also, ich habe auch einen sehr cleveren und harten Coach. Trevor Wittman und Javier Mendez sind tolle Coaches. Mein Trainer hat mir viele Dinge über Justins Fähigkeiten beigebracht und das gilt sicher für Justins Coach genauso. Sie haben sich sicher viele Kämpfe von mir angeschaut und kommen mit einem sehr guten Plan in das Oktagon. Ich muss also voll konzentriert sein und auf alles aufpassen: Sein Ringen, seine Kicks, sein linker Haken, seine Beweglichkeit und seine Fußarbeit. Ich denke das wird ein richtige guter Kampf.

Du schaust in der Regel nicht nur auf dich selber, sondern auch auf die gesamte MMA-Landschaft. Wer sind denn aktuell deine Top 5 in der UFC?

Im Moment ist Israel Adesanya richtig gut drauf. Außerdem Stipe Miocic und Piotr Yan. Piotr Yan hat sich in den letzen zwei Jahren toll entwickelt, große Namen geschlagen und wurde Champion. Dustin Poirier ist auch richtig gut. Er hat in vier-fünf Jahren nur einmal verloren und viele starke Gegner geschlagen. Außerdem Kamaru Usman. Ich meine: Schau dir mal an, wieviele starke Gegner Kamarum Usman geschlagen hat! Er steht jetzt bei 11-0 in der UFC. Er hat alle seine Gegner dominiert. Kamaru hat mich beeindruckt. Wenn er seinen Titel in den nächsten Jahren noch drei bis viermal verteidigt kann er das beste Weltergewicht aller Zeiten werden. Dann kann er sich mit Georges St-Pierre streiten wer der Beste ist. Denn Kamaru hat wirklich alle seine Gegner dominiert. Sehr beeindruckend.

Die ganze Welt träumt von Kampf Nummer 30: Khabib vs Georges St-Pierre. Es war der Traum deines Vaters. Georges sagte vor einigen Tagen aber auch: Alles muss perfekt passen, damit dieser Kampf stattfindet. Was sagst du dazu?

Wenn GSP davon spricht, dass alles perfekt passen muss, dann redet er meiner Meinung nach von Geld. Wenn ihm die UFC die Summe bezahlt die er will, dann wird der Kampf stattfinden. Für mich macht nach Gaethje nur noch der Kampf gegen Georges St-Pierre Sinn. Aber er steht unter Zeitdruck. Er ist fast 40 Jahre alt. Und wenn du 40 Jahre alt bist und du musst im Leichtgewicht gegen einen der Besten aller Zeiten antreten, der auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit ist, dann wird das richtig hart für ihn. Georges ist ein sehr kluger Mann. Er versteht das Spiel. Er denkt an sein Alter, das Gewichtmachen, den Gegner. Deshalb wird er sehr viel Geld von der UFC verlangen. Wenn sie ihm das Geld geben, dann kann der Kampf stattfinden. Was das Datum angeht, wäre April super. Direkt vor dem Rahmadan. Die UFC hätte jetzt sechs Monate Zeit den Kampf zu promoten. Wir könnten das perfekt aufbauen und wenn du mich fragst, wäre April der perfekte Zeitpunkt.

Khabib über McGregor: Komm doch zurück und zeig etwas!

Ich weiß, du magst nicht mehr über Conor McGregor sprechen: Aber WENN Conor McGregor wirklich gegen Dustin Poirier kämpfen sollte: Wer gewinnt?

Ich mag das Wort WENN nicht. Komm doch zurück und zeig etwas! Aber immer nur WENN. WENN, WENN, WENN, WENN. Ich kann auch sagen: Wenn ich 35 Kämpfe am Stück gewinne. Wenn ich bei 50-0 in meiner Kampfbilanz stehe. Wir können immer über dieses WENN sprechen. Junge Kämpfer, die gerade ihre Karriere beginnen, können sagen: Was passiert WENN ich bei 30-0 stehe und unbesiegt bin? Und viele Menschen werden dann sagen: Das ist fast unmöglich! Aber ich BIN jetzt nur noch zwei Schritte davon entfernt bei 30-0 zu stehen und einer der größten Kämpfer in diesem Sport zu werden. Warum soll ich da über Leute sprechen, die nur in der Kategorie WENN denken? Ich bin echt. Ich bin hier. Bei UFC 254 habe ich einen riesigen Kampf gegen einen starken Gegner an einem tollen Austragungsort. Das wird der größte Kampf des Jahres. Da muss ich nicht über Menschen sprechen, die immer nur WENN sagen.

Das Interview führte DAZN

Verpasst zudem nicht Peter Sobottas Analyse zum Kampf: 
„Khabib ist nicht unverwundbar und hat in der Rückwärtsbewegung seine Schwächen.“
Peter Sobotta
„Wenn Khabib mal in die Defensive gedrängt wird, dann verliert er sich ein bisschen und bewegt sich wild und unkontrolliert. Das ist die Chance für Justin.“ Die gesamte Analyse sehen Sie hier.