Karnas Rückblick auf Wembley – Froch vs. Groves

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Froch vs. Groves – The Rematch

von Karna Puri-Sengupta

Im November 2013 fand der erste Kampf zwischen Groves und Froch statt. Ein spannungsgeladenes Duell mit Niederschlag und kontroversem Abbruch „zugunsten“ Frochs. Im Rematch ging es schon im Vorfeld heiß her: Froch behandelte Groves wie ein Schuljunge, welcher Froch aber in nichts nachstand und in diversen Interviews und PR Touren eine „Ablösung“ propagierte. Am Samstag war es nun im Wembley Stadium vor 80 000 Menschen soweit: The Rematch – Unfinished Business.

Entgegen der Annahme (geimpft durch die Medien-Hass-Show im Vorfeld) beginnt alles ruhig und es wird sich abgetastet. Die Regel „NEVER BOX A BOXER“ wird von Froch negiert und er startet mit dem „kompletteren“ (darauf komme ich später nochmal zu sprechen) Boxer Groves ein Jab-Distanz Duell. Erste Runde knapp aber mit Vorteilen für Groves der gefühlt eine Kopf-Körper Führhand Dublette mehr schlägt.

In der Folge ist zwar mehr Feuer drin, aber immer noch ist ausloten mit der Führhand angesagt: Froch trifft mit dem Jab, kassiert aber auch gerne eine Rechte.

Neben dem Abtasten kann man Mindgames bewundern, die das Gefecht wieder ausgeglichener werden lassen: Groves hält Froch, welcher diesen in einer Ringkampfeinlage zu Boden „bossed“. Zweite Runde geht an Froch.

Der Kampf hat begonnen. Nun zeichnet sich ein Muster ab: Froch bereitet nun regelmäßig mit der Führhand vor und explodiert dann überfallartig mit weit hergeholten Haken zum Körper. Dies kann er nun bis in die späteren Runden fortsetzen – wobei dies permanent durch Groves harte und präzise Einzelhände garniert und gewürzt wird.

Aber auch Lehrbuchkombinationen (jab, jab, rechte Grade) lässt Groves aus seinem Repertoire aufblitzen. Dennoch sehe ich die Runden bei Carl, der einfach bissiger wirkt und das Geschehen in seine Richtung zieht: Aus Punktrichter Sicht hat er leichte Vorteile bei der Aktivität sowie in Punkto Ringgeneralship ist er überlegen. Zudem sind die harten Bodyshots von Froch, die zwar im Bereich Präzision und Geschwindigkeit ein wenig Optimierungspotential bergen, aber doch die Runden holen.

4 zu 1 Froch, mit einer Runde unentschieden. Die Runden sind aber doch knapp und der Kampf ist offen.

In der siebten Runde wechselt das Momentum zu Groves: Er kann mehrere Wirkungstreffer landen, erhöht minimal die Aktivität und trifft häufiger. Hier erinnert man sich an den Niederschlag aus dem ersten Kampf. Wenn Groves trifft, liegt immer ein Niederschlag in der Luft.

Carl Frochs Beine verhärten sich dann auch und man ist gefesselt. Carl packt, drückt, drängelt am Ringseil und wühlt aber schenkt die siebte Runde dann doch deutlich ab. Groves ist zurück im Kampf.

So geht es auch weiter: die Karten sind anscheinend neu durchmischt – Groves macht weiter, wo er in der 7ten aufgehört hat. Er hat nun die Distanz, das Timing und seine Schläge haben Snap. Es ist schön ihm zuzusehen und der Kampf ist offen. Doch wie es im Boxsport spielt – eine klare Groves Runde geht zu Ende: Carl Froch landet in einem seiner Spurts einen linken Haken auf die Deckung Groves und versenkt die rechte Grade voll umfänglich. Groves fällt – die Beine verknotet – der Referee zögert keine Sekunde und das Gefecht ist vorbei. Carl Froch gewinnt durch KO. Und diesmal gibt es darüber keine Zweifel. Zum Schutz des Kämpfers war dies ohne Alternative.

George Groves dazu:

„I’ve got to hold my hands up – Carl caught me with a shot, but I’ll come back bigger, better and stronger. (…) Ultimately I feel like I let myself down but congratulations to Carl. Fair play, he got the punch.“

Groves gehört die Zukunft – er darf es nicht überhasten, nicht zu viel in zu kurzer Zeit wollen und vor allem muss er ein paar Dinge korrigieren. Die hängende Linke ist super, wenn die Rechte schnell übernimmt oder die Schulter Schläge wegrollen kann. Ungedeckt eine Rechte zu nehmen ist nicht das empfehlenswerteste wenn man Weltmeister werden will. Wie eingangs gesagt ist er ein komplettes Paket, aber man darf sich grade in „THE SWEET SCIENCE“ keine Unachtsamkeit erlauben. Konzentration. Ein kompletter Boxer ja, aber komplett kann ein 26 jähriger Mann vielleicht einfach noch nicht sein. Time will tell.

Zu Froch würde ich sagen: „Schlaf mal ein bis zwei Monate über die Kämpfe der letzten paar Jahre. Das ist legacy pur. Du hast alles geboxt was dir vor die Fäuste kam. Du hast genug Schlachten geschlagen, für einen Stinker mit Hopkins wäre der Flug und der Jetlag zu schade. Golovkin ist zu klein und Stevenson oder Kovalev wäre zu riskant und „lebenszeitverkürzend“. Lass gut sein, Junge!“

Aber das sollte er selbst nach der erwähnte Ruhephase entscheiden. An dieser Stelle möchte ich mich bei George und Carl für den Kampf bedanken.

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