Interview mit Sergej Wotschel – Action rund um die Uhr

ANZEIGE

Interview mit Sergej Wotschel 

Trainingslager in Slowenien: Sergej Wotschel und Vincent Feigenbutz

Sergej Wotschel ist Familienvater, Lehrer und vor allem Profiboxer. Derzeit befindet sich der 28-Jährige in Slowenien im Trainingslager und bereitet sich auf seinen nächsten Einsatz am 10. März in Bochum vor. Wir konnten mit dem sympathischen Athleten unter anderem über einen kürzlich vollzogenen Trainerwechsel, die Verbindung zu Manager Rainer Gottwald und seine Anfänge als Boxer reden.

Hallo Sergej, du stammst gebürtig aus Russland. Hast du schon dort angefangen zu boxen?

In Russland hatte man andere Sachen im Kopf. Man wollte schnell erwachsen werden, Geld verdienen und das “coole“ Leben auskosten. Ich habe daher die ganzen Sommerferien – sie dauern in Russland drei Monate lang – im Alter von 13 Jahren auf dem Betonbau verbracht. Es war eine harte Arbeit für wenig Geld. Ich bin froh, dass ich nun in Deutschland bin und fühle mich hier sehr wohl.

Kann man gut nachvollziehen. Und wie kamst du zum Boxen?

Ich habe mich immer schon fürs Boxen interessiert. Eines Tages nahm mich Artur Bril, mit dem ich zusammen auf dem Gymnasium war, zum SC Colonia 06 mit. In Köln lernte ich alle Basics fürs Boxen. Die Trainer waren Lukas Wilaschek, Sergej Bril, Gregory Tolkovec und Erwin Radovan.

Du bist 28 Jahre alt und hast noch nicht so viele Profikämpfe. Gab es einen zwischenzeitlichen Cut in deiner Karriere?

Als ich schon mehrere Jahre beim SC Colonia war, befand ich mich im zweiten Semester meines Lehramtsstudiums. Mitten in dieser Phase wurde meine Ehefrau schwanger. Wir wohnten damals auf 10 qm in einem Wohnheim an der Sporthochschule. Das war der Wendepunkt, an dem ich erst einmal mein Privatleben in die richtigen Bahnen bringen musste. Wir sind in die Nähe von meinen Eltern in eine Dreizimmerwohnung nach Bergisch Gladbach gezogen. Mit dem aktivem Boxen musste ich leider pausieren. Der Weg zum Gym war sehr weit und ich arbeitete zusammen mit meinem Vater viel im Metallbau.

Wie hast du dich in dieser Zeit in Form gehalten?

Mit der Wohnung bekamen wir eine schöne Garage, die ich in ein “Boxgym“ umwandelte. Gelaufen bin ich sowieso immer schon. Ich habe beim FC Bensberg Fußball gespielt und hatte zudem genug Belastung in den Sportkursen an der Deutschen Sporthochschule Köln gehabt. Zusätzlich studierte ich Pädagogik und Geographie an der Uni Köln.

Das hört sich nach sehr viel an.

Es war Ok, ich hatte auch das Glück und bekam eine Stelle im Olympiastützpunkt als Trainer im Kraftbereich an der Sporthochschule. Dort konnte ich mich auch für die theoretischen Prüfungen des Lehramtes vorbereiten.

Du und deine Frau seid stolze Eltern von drei Kindern.

Ja, sie sind mein größter Reichtum und meine Motivation. Nach Konstantin kam unser zweiter Sohn Dimitri auf die Welt. Ich werde nie vergessen, als meine Frau bei einem Kampf mit unserer Tochter Maria schwanger am Ring saß. Nun haben wir drei Kinder und ich fühle mich wie der glücklichste Mensch auf Erden.

Du bist Lehrer von Beruf, hast eine große Familie und bist Boxer. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Ganz einfach: Früh aufstehen, trainieren, frühstücken, zur Arbeit fahren, Mittagessen, mit Kindern spielen bzw. lernen, abends ins Gym, nach dem zweiten Training die Kinder ins Bett bringen und den Abend mit meiner Frau ausklingen lassen – Action rund um die Uhr. Das Wochenende ist natürlich viel entspannter.

Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Nach deiner Auszeit vom Boxen bist du später zu Vladyslav Suslov nach Bergisch Gladbach gegangen. Wie war die Zeit bei ihm?

Als mein erster Sohn Konstantin fast ein Jahr alt war, kam ich zu Vladyslav Suslov nach Bergisch Gladbach. Ich gewann nach nur einem Monat gemeinsamer Vorbereitung meinen ersten Kampf. Ich bestritt unter Vladys Betreuung um die 60 Kämpfe, unter anderem auch als Profi. 2016 wurde ich Deutscher Meister im Pro Am Boxen gegen Slawka Wittmer. In der gesamten Zeit knüpfte ich viele gute Kontakte, wie beispielsweise mit Deniz und Garip Ilbay, Robert Stieglitz, Dirk Dzemski, Jörg Heidenreich. Diese Menschen spielen neben Vladyslav auch eine wichtige Rolle in meiner Entwicklung. Ich danke aber auch meinem Kumpel Andrej Hermann aus Ulm, der mich immer unterstützt hat und Roman Pfeifle und der DRB. Ein großer Dank geht auch an den DKKO Präsidenten Dirk Schwarz.

Du hast kürzlich verkündet, dass du nicht mehr bei Vladyslav Suslov trainierst. Was hat dich zum Wechsel bewegt und wo trainierst du jetzt?

Ich bin Vladyslav wie gesagt für alles sehr dankbar. Recht bald habe ich gemerkt, dass die Zeit für einen Wechsel gekommen war. Außerdem arbeite in Leverkusen, daher trainiere ich jetzt bei Jörg Heidenreich bei Bayer 04. Bei ihm fühle ich mich sehr gefordert und merke eine stetige Leistungsentwicklung. Dort habe ich immer starke Sparrings- und Trainingspartner. Ich fühle mich wohl in Leverkusen und hoffe, dass Jörg mich auch beim nächsten Kampf unterstützen wird.

Dein nächster Kampf ist am 10. März. Bei der zweiten Ausgabe von Big Game wirst du gegen Jerome Kock antreten. Wie läuft deine Vorbereitung?

Die Grundvorbereitung ist fast vollendet, dabei hilft mir Jörg Heidenreich und der ganze Trainerstab von Bayer 04 Leverkusen. Momentan befinde ich mich im Trainingslager in den slowenischen Alpen. Ich bin dort zusammen mit vielen starken Boxern wie Vincent Feigenbutz. Vor Ort sind auch der Manager Rainer Gottwald und Weltklassetrainer Zoltan Lunka, der wie ich die Sporthochschule in Köln abgeschlossen hat. Angesetzt sind unter anderem Sparringseinheiten mit Ahmed Ali, der sich selbst für einen Kampf vorbereitet.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Rainer Gottwald?

Rainer hat nach einem Rechtsausleger gesucht und ich fühle mich in beiden Auslagen topfit. Wir haben zuerst telefoniert und danach hat er mich ins Trainingslager eingeladen. Wir verstehen uns super und ich finde es toll, wie er sich um seine Leute kümmert.

Mit Deniz und Garip Ilbay verstehst du dich auch sehr gut.

Deniz ist ein toller Trainingspartner und Freund. Wir haben sehr viel Sparring zusammen gemacht. Ich kenne Deniz und Garip Ilbay schon seit vielen Jahren. Garip war sogar Cutman in meiner Ecke als ich Deutscher Meister wurde.

Zurück zum Kampf gegen Jerome Kock. Wie schätzt du ihn ein?

Ich freue mich auf einen starken Gegner und bereite mich dementsprechend hart vor. Bei dieser Begegnung wird es von beiden Seiten keine Geschenke geben.

Du hast mehrfach bei einem Topal-Event gekämpft und in Bochum geht es weiter. Was reizt dich an seinen Events?

In erster Linie sind wir mit Isa in einem guten Kontakt. Außerdem habe ich bei Isas Veranstaltungen insgesamt schon fünfmal geboxt und glücklicherweise auch alle Begegnungen gewonnen. Bei ihm bekomme ich gute Gegner, mit denen ich mich weiterentwickeln kann. Für März hatte ich ihm mein Wort gegeben.

Welche Pläne hast du noch für dieses Jahr?

Ich möchte in diesem Jahr mit den Besten trainieren, damit ich mich optimal weiterentwickeln kann, um später alles in meinem Gewicht abzuräumen.

Hast du eigentlich Angebote aus dem Ausland?

Ja, ich wurde schon mehrmals wegen Kämpfen in England, der Ukraine oder auch Malta angefragt. Doch leider ist bis jetzt aus verschiedenen und teilweise mir unbekannten Gründen kein Kampf davon zustande gekommen. Aber ich habe schon in der Schweiz und auch in Holland geboxt.

Könntest du dir vorstellen auch in Russland zu kämpfen?

Ja, sehr gut sogar.

Wer ist eigentlich dein Lieblingsboxer?

Da gibt es nicht nur einen einzigen Boxer. Ich mag aktuell Lomachenko, Usyk und natürlich Gennadi Golowkin. In Deutschland fand ich Robert Stieglitz schon immer gut. Aber natürlich war ich auch immer ein Fan von Mike Tyson, Muhammad Ali, Roy Jones, Konstantin Tszyu und Joe Calzaghe.

Welche Sportarten verfolgst du außer Boxen?

Ich schaue gerne allen Sportarten zu und habe Respekt vor jedem Menschen, der im Sport aktiv ist!

Gibt es aktuell einen Boxer gegen den du gern kämpfen würdest?

Ja, ich würde gerne gegen Ilias Essaoudi, Robert Maess, Philipp Nsingi, Kazim Gashi und Marco Martini boxen. Aber eigentlich gegen alle im Superweltergewicht.

Schalten wir mal den Traummodus an, welchen Superstar würdest du gerne boxen?

(Lacht) Mayweather und “Pacman“ natürlich.

Eine Frage, die man oft bei Bewerbungsgesprächen gestellt bekommt: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich will in fünf Jahren meine Welttitel regelmäßig verteidigen. Alles liegt aber in der Hand Gottes. Ich tue sehr viel und werde noch mehr tun dafür. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich natürlich bei allen meinen Sponsoren und Unterstützern für alles bedanken. Vom Team Wotschel wird man noch viel hören.

Sergej, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Hast du eine letzte Message?

Ich danke euch für das Interview. Ja, meine Message geht an die jungen Menschen da draußen:

Treibt Sport und hängt nicht so viel in den Diskotheken herum. Tut etwas sinnvolles für euren Körper und für den Geist. Unser Körper ist eines der wichtigsten Geschenke Gottes an uns Menschen.

Bis bald!

Mit Sergej Wotschel sprach GFN Redakteur Alex Unruh

Mehr News vom Boxen