Interview mit Martial Arts Show Event Mitorganisator Omar Aref

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Omar Aref: Die Menschen haben Angst vor Dingen, die sie nicht kennen

Omar Aref lebt Kampfsport

Am 7. April 2019 findet in Herford die zweite Ausgabe des Martial Arts Show Event statt. Mitorganisator ist Omar Aref, einer der größten Supporter der deutschen Kampfsportszene, der in kürzester Zeit ein gigantisches internationales Netzwerk aufbauen konnte. Wir haben mit dem Tausendsassa gesprochen.

GFN: Hallo Omar, du bist viel in der Kampfsportszene unterwegs, unterstützt und supportest die Kampfkünste genauso wie Mixed Martial Arts. Woher kommt deine große Leidenschaft?

Omar Aref: Mein Ziel ist es, die Barrieren zwischen Kampfsport und Kampfkunst zu brechen. Ich sehe die gesamte Martial Arts Welt als eine große Familie. Welche Kampfkunstart gerade im Vordergrund steht, ist zweitrangig. Ich versuche Menschen, die selbst Martial Arts supporten, etwas sinnvolles anzubieten, ihnen zu helfen. Da mein Sifu Master Kaan Firat und ich gemeinsam über ein gigantisches Netzwerk in der Martial Arts Community verfügen, geht unser Blick über den Tellerrand hinaus.

Du supportest jeden der möchte?

     Omar Aref auf Achse in Berlin

Nein, nicht jeden, ich schaue auch danach, dass mir etwas selbst gefällt und ich einen Sinn dahinter erkenne. Arrogante Menschen, Angeber und Wichtigtuer unterstütze ich natürlich nicht, schon gar nicht über unsere Kanäle mit einigen Millionen vernetzten Menschen. Wenn ich die Möglichkeit habe, anderen seriösen Sportlern zu helfen, warum sollte ich es nicht tun? Ich bin heute selbst Trainer und besuche mit den Jungs aus meiner Halle andere Gyms und lade auch zwischendurch andere Trainer ein, um voneinander zu lernen und baue unser Netzwerk weiter auf, in dem jeder Vorteile genießt. Alle Leute bei mir können selbst bestimmen, wo sie trainieren möchten, ohne das ihnen vorgeschrieben wird, welchen Stil sie betreiben sollen. Dennoch bin ich als Wegweiser und Ratgeber für meine Leute präsent.

Wie ist deine Kampfsportgeschichte?

Bereits als Kind war ich von den Martial Arts Filmen der 70er fasziniert und das zieht sich bis heute durch. Natürlich war ich von Bruce Lee angetan, aber auch Kultfilme wie Karate Tiger 4 bis hin zu Bloodsport und viele andere Filme haben mich in ihren Bann gezogen. Ich selbst betreibe Wing Chun. Ich kam auf diese tolle Kampfkunst, als ich im Jahr 2009 den Film Ip Man sah. Zuvor war Wing Chun für mich ein Fremdwort, also recherchierte ich nach einer Wing Chun Schule und wurde fündig. Im April 2012 ging ich zu einem Probetraining und es gefiel mir dort auf Anhieb. Dann begann ich Wing Chun zu lernen. Mir gefallen die fließenden Bewegungen und die Beherrschung des Körpers und des Geistes.

Hast du dabei auch die negativen Seiten des Sports kennengelernt?

Als 18-Jähriger hatte ich natürlich noch keine gute Menschenkenntnis. Mein alter Trainer redete mir ein, andere Stile seien nicht so sinnvoll wie Wing Chun. Er erklärte mir, dass Wing Chun die beste Kampfkunst sei und sprach dagegen andere Stile und Arten schlecht. Ich glaubte ihm natürlich und merkte erst nicht, dass ich darüber hinaus klein gehalten wurde.

Was meinst du mit klein gehalten?

Ich durfte keine anderen Kampfsporthallen besuchen und selbst mit Freunden im Park zu trainieren wurde schon als Verrat oder ähnliches angesehen. Man nahm mir die Luft zum Atmen. Ich dachte damals, so jung und naiv wie ich war, so seien die Regeln der Kampfsportwelt. Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt nicht besser. Die Martial Arts Show Events, die ich jährlich seit 2017 gemeinsam mit dem Turnklub Herford e.V. (TKH) veranstalte, habe ich bereits vor Jahren meinem alten Trainer mehrfach vorgeschlagen, aber leider nahm er meine Ideen nie ernst.

Du bist aus Loyalität länger dort geblieben?

Ja, erst 2016 verließ ich meinen alten Trainer und wurde selbst Trainer im Turnklub Herford e.V. (TKH) und leitete eigenständig eine Halle als Übungsleiter und gebe auch heute noch Training. Währenddessen wechselte ich dann zu einem sehr guten Trainer Namens Sifu Alexander Mattner und durfte bei ihm Wing Chun trainieren. Ich bekam bei ihm viele Freiheiten mich zu entfalten und er unterstützte mich sehr. Ich war von Anfang bis Ende 2017 Schüler von Sifu Mattner. Obwohl ich heute nicht mehr bei ihm trainiere, haben wir immer noch einen sehr guten Draht zueinander.

Heute bist du bei Master Kaan Firat. Wie kamst du zu ihm?

Omar und sein Meister

Ich sah ihn erstmals im Jahr 2016 auf Facebook und war beeindruckt. Ich nahm irgendwann Kontakt zu ihm auf und wurde später sein Schüler.

Inwieweit hat der Kampfsport dich positiv verändert und beeinflusst?

Der Kampfsport beeinflusste mein Leben enorm. Ich wurde selbstbewusster, scharfsinniger und stärkte meine Persönlichkeit in allen Bereichen des Lebens. Da ich zu Beginn schlechte Erfahrungen gemachte hatte, lernte ich auch daraus und versuchte es besser zu machen.

Du bist auch sozial sehr engagiert. Was genau machst du und wie heißt das Projekt?

Im Jahr 2015 wurde ich Projektleiter vom Westfälischen Kultur- und Medienverein e.V. und lernte von einem Pädagogen vieles in Sachen Projektdurchführung. Im Sommer 2016 gründete ich gemeinsam mit Freunden und Bekannten den Interkultureller Herforder Sport-und Bildungsverein e.V. und richtete auf Facebook eine Martial Arts Seite und verschiedene Gruppen ein. Später baute ich mit Master Kaan Firat ein gigantisches Netzwerk auf. Nach und nach lernte ich immer mehr Leute kennen. Gemeinsam mit dem TKH und dem IHSBV haben wir dann große Sport und Integrationsprojekte wie Brückenklang (Talentbühne), große Internationale Fußballturniere, Willkommens-Kulturfeste und das Martial Arts Show Event und viele andere Projekte durchgeführt.

Wie ist der öffentliche Anklang auf eure Arbeit?

Der ist groß, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Das schwedische Radio war bereits im Rahmen des Turnklub Herford e.V. (TKH) im Bereich Eltern-Kind-Turnen Gast bei einer Trainingsstunde und hat uns interviewt.

Am 7. April findet das Großereignis Martial Arts Show Event 02 in Herford statt. Viele Persönlichkeiten haben sich angekündigt. Auf wen dürfen sich die Fans bei der Show freuen?

Natürlich mein weltbekannter Sifu Master Kaan Firat, der bereits in der Hall of Fame in der Schweiz, in München und anderen Orten verewigt ist. Er war bereits in Hong Kong und hat Ip Ching, den Sohn von Yip Man (Ip Man), und Dennis To, den Schauspieler aus Ip Man Zero, getroffen. Ihn kennen auch Hollywoodstars wie Steven Segal, Simon Kook und Michael Jai White. Dann wird auch Alexander Derghal da sein. Er ist ein bekannter Hollywood Kampfchoreograph, ehemaliger Bodyguard von Steven Segal und Headcoach der bekannten Sidekicks Akademie.

Auch der euch bestens bekannte MMA Coach Eddi Pobivanez wird mit seinem SaiyaGym vor Ort sein, genau wie der langjährige Kickboxer Hamada AK1, der MGM Final-Titelkämpfer war sowie viele weitere Kämpfer, Trainer und Persönlichkeiten.

Ebenfalls wurde Meister Gökhan Sener eingeladen. Es ist aber noch ungewiss, ob er am 7. April teilnehmen kann.

Kannst Gökhan Sener uns vorstellen?

Gerne. Gökhan Sener ist ein bekannter Jeet Kune Do Meister, der ein direkter Schüler der Kampfkunstlegende Dan Inosanto ist, der wiederum selbst Schüler von Bruce Lee war. Herr Sener hat bereits mit Ron Balicki, einem ebenfalls prominenten Stuntman & Kampfchoreographen aus Hollywood, der zudem der Schwiegersohn von Dan Inosanto ist, Seminare in seiner Halle in Werther gegeben. Wir hoffen, dass er die Einladung annimmt.

Was ist der Gedanke hinter dem Martial Arts Show Event?

Das Martial Arts Show Event ist nicht nur einfach ein Zusammentreffen von Kampfsportlern, die etwas vorführen, sondern können sie selbst Einblicke in andere Kampfkünste und Systeme gewinnen und sich mit anderen austauschen, kennenlernen und das Netzwerk untereinander vergrößern. Es geht darum, Kampfsport & Kampfkunst als Einheit zu sehen und zu erleben, ohne Vorurteile, also wertungsfrei zu betrachten. Der Gedanke ist also, dass Menschen nur dann voneinander lernen und gemeinsam eine Einheit bilden können, wenn sie sich selbst wahrgenommen fühlen und in ihrer Gänze entfalten dürfen. Alle Stile, die die Teilnehmer verkörpern, werden gleichermaßen wertgeschätzt.

Diese Veranstaltung fördert die interkulturelle Beziehung zwischen Menschen mit unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft, mit anderer weltanschaulicher Orientierung und baut Brücken zwischen den verschiedenen Kampfstilen. Das Ziel ist es, Fremdenhass, Diskriminierung, Gewalt, Ausgrenzung und Vorurteilen entgegenzuwirken.

Wie denkst du über Mixed Martial Arts?

Symbolbild MMA

Es ist leider so, dass viele Menschen sich nicht richtig mit dem Thema Mixed Martial Arts auseinandersetzen. Viele ältere Menschen sehen es einfach als brutales aufeinander Einschlagen von zwei Menschen in einem Käfig zur Unterhaltung der Massen. Dabei sehen sie nicht, dass dies ein Sport genau wie Fußball oder Skifahren ist. Oft wird auch gar nicht wahrgenommen, dass sich sehr viele Fighter nach ihren Kämpfen mit ihren „Gegnern“ noch im Ring anfreunden und sich gegenseitig großen Respekt entgegenbringen. Natürlich ist MMA ein extremer Sport, der seit einiger Zeit in Deutschland am wachsen ist. Die Menschen haben Angst vor Dingen, die sie nicht kennen und da Mixed Martial Arts noch relativ jung ist, ist auch das Misstrauen groß.

Wo steht der Kampfsport in Deutschland allgemein?

Da auch radikale Sekten und politisch orientierte Organe aktiv den Kampfsport für ihre Zwecke missbrauchen, um Jugendliche zu manipulieren, ist es nicht weit hergeholt, dass die meisten Eltern sich um ihre Kinder sorgen und sie lieber beim Fußball oder Tennis anmelden, als in einer Kampfsportschule. Wie bereits angedeutet, hat die ältere Generation starke Berührungsängste mit Kampfsport allgemein. Andererseits sieht man auch, wie hoch der Zulauf bei immer mehr Gyms ist und Kampfsport und Kampfkunst auch in der Mitte der Gesellschaft langsam ankommen.

Wer sind deine größten Idole und wie haben sie dich beeinflusst?

Ich war immer schon ein riesiger Fan von Bruce Lee, Jet Li und Jackie Chan und bin bis heute von ihnen fasziniert. Der Unterschied zum normalem Schauspiel ist zum Beispiel, dass sie nicht einfach nur Menschen darstellen, die so tun als ob, sondern das auf der Leinwand gezeigte auch wirklich beherrschen. Dafür haben sie alle ehrgeizig und diszipliniert trainiert, um da zu stehen, wo sie waren oder wo sie bis heute noch sind.

Der coolste Kampfsportler ist für mich Bolo Yeung, den man auch als den chinesischen Hulk kennt. Ich fand es erstaunlich, wie ein Mensch bereits in den 1970er Jahren solch eine Körperstatur aufbauen konnte und dabei auch noch ein fähiger Kampfsportler war.

Welche Ziele hast du für die Zukunft?

Ich will das Netzwerk von Master Kaan Firat und mir weiter ausbauen und die Veranstaltungen, die wir mit unseren Kooperationspartnern organisieren, weiter vergrößern und in Zukunft die Menschen in Deutschland für das Thema Kampfkunst und Kampfsport zu sensibilisieren.

Das Interview mit Omar Aref führte Alp Türkmen