Interview mit Mandy Böhm: Ich will die Beste, Stärkste und Heftigste sein

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Interview mit Mandy Böhm vor ihrem Einsatz bei GMC 16 in Köln

In der Kölner Lanxess Arena steht unter dem Motto “Next Level“ die German MMA Championship mit der 16. Ausgabe vor der Tür. Die Organisatoren von Deutschlands bester MMA Veranstaltung wollen Mixed Martial Arts national mit aller Kraft auf eine neue Ebene hieven. In der Tat ist den Machern Deniz Hacıabdurrahmanoğlu und Özhan Altinas für das kommende Event am 1. September ein Coup gelungen. Neben einer hervorragenden Fightcard, konnte man sich zusätzlich zum Streamingdienst Ran Fighting auch einen TV Deal angeln. GMC wird zum Teil auf Pro 7 MAXX im Free-TV übertragen. Ein erster größerer Meilenstein für die nationale MMA-Szene und die Möglichkeit für die Athleten sich einem breiteren Publikum zu präsentieren.

In diesem Zusammenhang trafen wir uns am 20. August im Fight Club Gelsenkirchen, dem Gym der GMC-Organisatoren, spontan mit Mandy “Monster“ Böhm, einem der weiblichen Zugpferde der Eventreihe. Böhm hat schon vier Profikämpfe auf dem Buckel und noch einiges vor in der härtesten Kampfsportart der Welt. Am 1. September steht ihr nächster Einsatz bei GMC an.

GFN: Du stehst am 1. September in Köln vor der nächsten großen Aufgabe. Welche Gedanken hast du im Hinblick auf deinen Kampf?

Mandy Böhm: Ich hoffe, dass am 1. September gegen Lili Panegirico mein nächster Sieg dazu kommt. Lili ist ein Luxemburger Mädchen mit italienischen Wurzeln glaube ich. Wir sollten schon vor langer Zeit aufeinandertreffen, allerdings hat das nicht geklappt, weil mir meine Abiturklausuren in die Quere gekommen sind.

Kämpfen oder lernen?

Ja, da musste ich dann Prioritäten setzen. Wir sind zwar Profis und trainieren auch so, aber man darf nicht vergessen, dass man eine Verletzung vom Karriereende weg steht und man sich daher auch ein zweites Standbein aufbauen muss. Trotzdem lebe ich MMA vollkommen. Ich trainiere hier die Kids und ich arbeite im Laden wo ich auch trainiere, es ist perfekt.

Hast du dich speziell auf Panegirico vorbereitet?

Ich habe sie natürlich intensiv gestalkt. Wir Frauen machen so etwas noch intensiver als Männer, denke ich zumindest. Gefühlt weiß ich sogar, wann sie kocht, zur Toilette geht, wann, wie und mit wem sie trainiert. Ich erwarte sie in Bestform. Lili hat zwar keine gute Bilanz als Profikämpferin, aber dafür auch einiges im Amateurbereich gemacht. Außerdem findet man relativ wenig zu ihr im Internet. Ein bisschen Pratzen-Training, gute Kicks, aber ich glaube ihr fehlt die Härte um mich damit KO zu treten. Sie scheint in der Form ihres Lebens zu sein. Wenn sie eine Chance hat mich zu schlagen, dann jetzt am 1.September in Köln.

Warum jetzt?

Ich komme aus einer miesen Verletzung und konnte mich nicht optimal vorbereiten. Das einzige was gerade stimmt sind mein Kopf und mein Herz. Ich hoffe, dass auch meine Erfahrung mir einen Vorteil bringt. Ich habe unzählige Kickbox-Kämpfe und Grappling-Matches hinter mir.

Du warst mit deinen letzten Kämpfen nicht zufrieden. Warum?

Ich bin nie zufrieden. Als Lili Panegirico bei GMC 14 verletzungsbedingt einen Tag vor der Waage abgesagt hatte, also kurz bevor ich mir einen Burger reinhauen wollte (lacht), kam dann Diana Tavares. Ich habe sie zwar nicht KO geschlagen, aber für meinen Kopf und meine Erfahrung war der Kampf gut. Ich habe über die Distanz gekämpft, weil ich im Kampf davor den Fehler gemacht habe, zu viel in der ersten Runde zu geben. Fehler zu machen ist nicht schlimm, aber den gleichen Fehler zweimal zu machen schon. Ich konnte in dem Kampf zeigen, dass das was ich gelernt hatte, auch umgesetzt werden konnte. Alle wollten das vorzeitige Ende, aber Diana war trotzdem nicht zu unterschätzen. Diese Frau hat das Herz einer Kriegerin. Einen Tag vor der Waage den Kampf anzunehmen und dann 3 Runden lang so zu Fighten? Sie hätte sich auch einfach hinlegen, abklopfen und die Gage einsacken können. Die Leute vergessen, dass im MMA ein Schlag den ganzen Kampf entscheiden und drehen kann. Du kannst 3 Runden lang dominieren, kassierst du einen falschen Schlag, ist der ganze Kampf gelaufen.

Und wie war es gegen Petra Castkova bei GMC 13?

Gegen Petra Castkova war ich mega unzufrieden und enttäuscht. Ich habe sie aus einer Situation entkommen lassen, was nicht passieren darf, weil meine Kondition weg war. Ich habe das erste Mal Gewicht gemacht und gecuttet. Ich habe im Fliegengewicht gekämpft, wo ich mich auch eher sehe, denn ich laufe nicht wie andere Mädels mit viel Gewicht herum, die teilweise Mädchenprobleme haben oder so. Ich habe Glück, denn ich bin ziemlich athletisch mit einem geringen Körperfettanteil. Das Strawweight ist daher für mich unerreichbar, da müsste ich mir schon einen Arm abhacken. Aber ich habe Petra in der ersten Runde auf den Boden geschickt und sie hat am Cage gewackelt. Ich hole mir den Takedown und ihren Rücken und rutsche runter. Das darf nicht passieren, das war ein Fehler. Der Referee brach auch nicht ab, obwohl ich 4 Minuten lang auf sie einschlug. Das hat mich dann natürlich auch viel Kraft gekostet. Als dann der Pausengong kam dachte ich:“Scheiße, wie sollst du die nächsten 10 Minuten überleben (lacht)?

Die Runde hatte ich klar gewonnen. Ich wollte den Kampf unbedingt in der ersten Runde beenden, aber das passiert mir nie wieder. Einen KO erzwingst du nicht, wenn er kommt, dann kommt er. Aber wenn man dann auf der Gegnerin sitzt und so überlegen ist, dann will man einfach mehr. In der zweiten Runde habe ich mich dann zurückgenommen und in der Dritten wieder klar dominiert. Kämpfe ich nochmal gegen sie, mache ich es cleverer und schlage sie definitiv KO. Aber die konditionellen Mängel haben mich sehr gestört. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch und das darf mir nicht passieren, sonst gehöre ich da nicht hin, wo ich hin will.

Warum wird der nächste Kampf anders?

Der nächste Kampf wird anders laufen, weil keiner geglaubt hat, dass ich es packe. Ich war im SBG in Irland und hab mir da das Innenband abgerissen. Dort habe ich mit vielen Profis trainiert und es war eine mega Erfahrung. Andere Trainingspartner usw. Ich bin aber nicht der Typ, der von Gym zu Gym springt. Die Leute reden viel, ich will nicht, dass irgendeiner sich die Lorbeeren anstelle meines Trainers einheimst. Wir arbeiten schließlich seit 10 Jahren an unserem Ziel. Mit dem Innenbandriss musste ich den Kampf gegen Lili absagen. Ich habe viel mit den Ärzten und Physios gesprochen, ob man das Knie nicht tapen kann, damit ich den Kampf über die Bühne bringen kann? Sie rieten davon ab und ich hörte zum ersten Mal auf meinen Kopf, statt auf mein Herz, denn die Gefahr bestand, dass mein Knie instabil bleibt.

Mein Körper ist mein Kapital, daher musste ich mich regenerieren und das Knie ausheilen lassen. Ich bin jeden Tag zur Physiotherapie gegangen. Wie eine Verrückte habe ich gearbeitet. Nach einer Verletzung ist die Physiotherapie das A und O. Ich bin jetzt so fit, wie man sich das kaum vorstellen kann nach so einer Verletzung. Vielleicht ist mir Lili konditionell überlegen, aber ich bin definitiv die abgeklärtere Kämpferin. Ich konnte mich zwar kaum bewegen in der Vorbereitung, aber Boxen ging trotzdem und jetzt habe ich die präzise KO-Power in den Fäusten, die ich vielleicht noch gegen Diana vermissen ließ.

Wie kamst du eigentlich zu deinem Spitznamen Monster?

Das Monster sieht man mir nicht sofort an, aber ich bin eins (lacht). Wie kam ich zu diesem Spitznamen? Eigentlich war ich immer anders unterwegs. Eher bei etwas Netterem, was Süßem und Prinzessinnenhaftem. Ich glaube wir Frauen in der Szene haben immer mit dem Klischee zu kämpfen, dass wir totale “Mannsweiber“ seien und aber in mir steckt eher das Monster. Das habe ich gespürt, als ich den ersten erfolgreichen MMA-Kampf bestritt. Es war das erste Mal mit richtigem “Ground and Pound“. Ich habe mich immer gefragt: Kann ich das überhaupt? Das im Training zu üben und es im Wettkampf umzusetzen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber ja, ich kann es und es fühlt sich verdammt gut an (lacht).

Wie kamst du dann von “Prinzessinnenhaft“ zum Kampfsport?

Tatsächlich kam ich erst recht spät zum Kampfsport. Ich war um die 18 oder 19 und wollte unbedingt MMA-Kämpferin werden (lacht). Hört sich zwar bescheuert an, aber ich wollte unbedingt Wettkampfsport betreiben und in fast jeder Sportart bist du zu alt mit 18. Egal ob es Turnen oder Tanzen ist, was ich vorher übrigens gemacht habe. Ich bin einfach keine Breitensportlerin, außerdem messe ich mich gerne. Ob es rennen, springen oder schlagen ist, spielt für mich keine Rolle, aber ich liebe einfach den Wettkampf. Dann habe ich mich im Fight Club versucht, bin geblieben und stehe jetzt wo ich bin.

Was unterscheidet dich von den anderen Kämpferinnen in Deutschland?

Was mich von ihnen unterschiedet? Ich bin nicht hier um mit dem Strom zu schwimmen, ich will anders sein, ich will besser sein, ich will die Beste sein! Ich will nicht einfach in die UFC, ich will in die UFC, um mir dort irgendwann den Gürtel umschnallen. Ich liebe die Perfektion. Wenn man über die “neue Generation“ von Kämpfern spricht, bin ich definitiv eine davon. Ich bin eine Allrounderin. Das soll nicht arrogant klingen, aber man kann nicht sagen, oh wir sollten versuchen im Stand zu bleiben oder zum Boden gehen, weil ich alles bis ins kleinste Detail trainiere. Ich habe mich jetzt nicht super speziell auf Lili vorbereitet, das wird eine Wundertüte. Außerdem ist es mir egal. Eine alte Samurai Weisheit besagt: “Weder vom Gegner noch von dessen Schwert noch von dessen Schwertkünsten sich beeinflussen zu lassen“, denn ich bin stark.

Wo siehst du dich in drei Jahren?

In drei Jahren bin ich die Beste.

Wo genau?

Der Welt! Das sind hoch gesetzte Ziele, natürlich. Ich habe nichts gegen andere Sportlerinnen und ich respektiere auch jede Einzelne, aber ich will die Beste und die Stärkste und die Heftigste werden (lacht). Zumindest einen Augenblick in meinem Leben, soll es keine Bessere geben als mich. Das ist das, was mich treibt. Es ist meine Leidenschaft, ich mache es bis zur Perfektion. Wenn es nicht klappt, ist es okay, aber ich will mich mit den Besten messen. Ich bin zwar noch nicht so weit, um mit einer Rose Namajunas zu kämpfen, aber ich bin in 3 Jahren so weit, wenn mich jemand pusht.

Was meinst du mit pusht?

Finanziell gesehen ist es unglaublich schwierig in Deutschland auf einem professionellen Niveau, wie es in den USA der Fall ist, zu trainieren und sich zu ernähren usw. Kaum einer will sein Geld in diese Sportart stecken. Wir haben keine TV-Verträge. Wenn du Glück hast, findest du jemanden der das cool findet was du machst und der unterstützt dich, aber wie viele gibt es davon? Ich habe eine Bilanz von 4-0 und bin mit Katharina Lehner so mit das beste was Frauen MMA in Deutschland zu bieten hat. Ich liebe Katharina, sie pusht den Sport hier im Land enorm und wir sind Freunde. Aber es gibt viel “Hate“ im Sport.

Frauen erzählen, dass sie mich KO schlagen wollen und haben eine beschissene Bilanz. Klar können wir kämpfen und ich respektiere euch auch, aber ich möchte jetzt auch Leute haben, die mich nach vorne bringen. Das ist mein nächstes Ziel. Ich möchte eine Gegnerin, die man kennt und eine gute Bilanz hat. Wer weiß, vielleicht die Nummer 1 in Frankreich. Trotzdem kämpfte ich damals gegen Sandra Redegeld, die ja viel erfahrener war als ich und trotzdem habe ich sie TKO geschlagen. Man weiß nie was passiert.

Es ist bekanntlich schwer gute Frauen zu finden und am Ende kommt eine Lili Panegirico. Welche Risiken siehst du dabei?

Es kann sein, dass Lili am 1. September kommt und mich ins Land der Träume katapultiert. Für mich ist es ein beschissener Kampf, denn ich habe deutlich mehr zu verlieren als sie. Gewinne ich, sagt man, dass ich nur Fallobst kämpfe, gewinnt sie, ist es eine kleine Sensation und bringt sie sehr weit nach vorne.

Was bedeutet dir die GMC?

Ich möchte mich bei den Machern von GMC bedanken. Das was ihr auf die Beine stellt ist jedes Mal Wahnsinn. Dieser Schweiß und das viele Herzblut, das ihr investiert, ist einfach beeindruckend. Ich bin sehr dankbar Teil dieses Ganzen sein zu dürfen.

Was willst du noch deinen Fans auf den Weg mitgeben?

Ich kann nur sagen: Leute kommt am 1. September nach Köln zur Lanxess Arena. Was ist los mit euch? Lili bringt viele Leute mit, wir haben ein Heimspiel und müssen es ausnutzen. Ich erwarte euch alle da und feuert das Monster an!

Mit Mandy Böhm sprach Momo Sa