Interview mit Isa Topal: Gute Namen sind keine Garantien für gute Kämpfe

Er ist so etwas wie die graue Eminenz des deutschen Kampfsports und einer der fleißigsten Veranstalter im Lande. Seine Events, egal ob kleine Galas unter Freunden oder die großen Championate, es gibt niemanden, der die spannenden Topal-Events nicht kennt. Wir konnten mit dem Erfolgspromoter sprechen.

GFN: Hallo Isa, was macht der Puls so kurz vor der siebten Auflage deines Babys Fair Fighting Championship?

ISA TOPAL: Hallo GFN, Hallo Alex. Fair FC kam schon als ein fertig gebackenes ausgereiftes Label auf die Welt. Die Erfahrung aus 20 Jahren Kampfsport kommt nicht als Baby auf die Welt. Mein Puls ist leicht zu hoch, das hat aber eher mit meinen Cholesterinwerten und dem Übergewicht zu tun.

Fair FC war schon immer ein großes Spektakel mit viel Geschichte. Erstmals veranstalten du und Kevin Saszik ein Event im RuhrCongress Bochum, wo du schon Big Game zum Leben erweckt hast. Was ist das Besondere an der Halle und dem Standort?

Geburtsstunde von Big Game

Isa Topal: Die atemberaubende Atmosphäre im RuhrCongress Bochum. Der Kampfsport in Deutschland wird immer professioneller und hat mit Big Game im März 2017 damit einen sehr schönen und würdigen Austragungsort gefunden. Der RuhrCongress Bochum ist übersichtlich, kompakt, zentral, erreichbar, einladend und kommunikativ. Die hochmodernen Veranstaltungsflächen des RuhrCongress Bochum sind nationaler und internationaler „Hotspot“ für Wirtschaft, Kultur und Entertainment. Die Wahl des Standortes ist für den Erfolg einer Veranstaltung maßgeblich. In diesem Sinne haben wir mit dem RuhrCongress Bochum einen flexiblen Event-Platz mitten in Europa.

Wie verlief die Vorbereitung bisher? Schließlich hast du die Halle für ein ganzes Wochenende gebucht, denn direkt im Anschluss findet sonntags auch noch Grand Boxing statt.

Gott sei Dank ist Fair Fighting Championship ein Selbstläufer. So haben wir die Energie für Grand Boxing am Sonntag sinnvoll nutzen können. Und mein Umfeld mit M. W. & Ali Rashidi sind einfach perfekt.

Viele Veranstalter klagen über einen überhitzten Kämpfermarkt und haben Schwierigkeiten, eine Fightcard auf die Beine zu stellen. Immer mehr ausländische Organisationen mit finanzstarken Investoren bedienen sich in Deutschland. Spürst du etwas davon bzw. was denkst du über diese Entwicklung?

Im Großen und Ganzen betrachtet ist diese Entwicklung positiv. Zum einen belebt Konkurrenz das Geschäft und zum anderen freuen wir uns über die Erfolge deutscher Kämpfer – egal wo. Einen überhitzten Kämpfermarkt gibt es nicht, es ist wie mit der Goldsuche zu Goldfieberzeiten. Hat einer mal eine Goldstelle gefunden, laufen alle dahin. Unsere Stärke war es immer, diese Stellen selber zu finden und zu schaffen. Das Problem haben die Veranstalter, die sich ins gemachte Nest setzen wollen. Die sind schnell belegt.

Hattet ihr keine Schwierigkeiten beim Zusammenstellen der Kampfpaarungen?

Es tut uns im Herzen weh, Athleten aufgrund der Vielzahl an Kämpfen unsere Plattform nicht zur Verfügung zu stellen.

Du arbeitest bei deinen verschiedenen Events nicht selten mit Partnern wie beispielsweise Kevin Saszik zusammen. Wirkt da noch jemand bei Fair FC und einen Tag später bei Grand Boxing mit?

Wir sind beide Teil von WiTo Sport-Events. Kevin hat sich in den letzten Jahren als Veranstalter und als Kämpfer unheimlich entwickelt.

Wie muss man sich eine Doppelorganisation für zwei Events an zwei Tagen vorstellen?

Für jeden Tag eine Organisation. Da sind wir eigentlich ziemlich relaxt. Übrigens fliege ich mit ein paar Sportlern am Mittwoch für eine Woche ins Ausland. Etwas Training für die Jungs/Mädel und für mich Erholung.

Wir haben selbst Probleme den Überblick zu halten. Was ist dein Geheimnis bei der Organisation von zwei Großprojekten?

Ihr habt ja mehr auf dem Schirm als unsere Events.

Wie kam es zu der Idee, direkt 2 Veranstaltungen hintereinander zu organisieren?

Fair FC baut eine richtig geile Plattform auf, hat MMA als Schwerpunkt und da ich seit No.1 Championship in der EFC Arena im September im Profiboxen mitmische und gegen gestellte Fights bin, haben wir uns gedacht, wir machen den Freunden des Standkampfes eine Freude.

Für Fair FC hast du hochkarätige Kämpfer ins Boot geholt. Auf welche Duelle freust du dich als Fan am meisten?

Gute Namen sind keine Garantien für gute Kämpfe. Die Mischung machts und ich freue mich auf alle Fights. Unser Titelfight Can Aslaner vs. Islam Khapilaev ist aber ganz oben auf der Liste.

Du sagst Boxen ist nicht tot und versuchst gerade das Boxen attraktiver zu machen. Was willst du anders machen als zu den ganz großen arrivierten Box-Veranstaltern bzw. was ist dein Plan mit Grand Boxing?

In der Liga von Sauerland-Events oder HBO Boxing bewegen wir uns sicherlich nicht. Boxen ist Business mit einer großen Lobby, die wir nicht haben und bei dem wir in vielen Punkten eine andere Philosophie verfolgen. Leider verläuft bei den lokalen Box-Events hier im Lande das Boxen nach Drehbuch.
– Schulter verletzt
– Hand verletzt
– Körpertreffer
Dabei ist die Schauspielkunst unter dem Niveau von manchen privaten TV-Sendern.

Du hast mittlerweile viele verschiedene Eventreihen auf die Beine gestellt. Uns fallen Heroic Battle, Fight Vision Europe, Licher Boxnacht, EFC No. 1 Championship, Top Ten Champions, Fair FC, früher MMA Bundesliga, zuletzt Big Game und jetzt noch Grand Boxing ein. Haben wir was vergessen?

K1 Maximum, Medwedeff Cup, Big Challenge, K1 German League & MMA Likes You (lacht). Und es heißt No.1 Championship in der EFC Arena. Fight-Vision hab ich unterstützt, das ist keine eigene Reihe von WiTo Sport-Events.

Ok, hast du schon einmal überlegt, die vielen Projekte unter 2-3 Namen zusammenzufassen?

Alle diese Labels haben einen anderen Charakter und Eigenschaften, die eine Fusionierung nicht zulassen.

Eine “kritische“ Frage von unserem Chefredakteur Attila: Das Wirtschaftslexikon Gabler redet von einem negativen Spill-over-Effekt einer Marke auf andere Marken eines Unternehmens. In deinem Fall könnte man die verschiedenen Eventreihen nennen. Dabei können Marktanteilsgewinne einer Veranstaltung zulasten anderer Marken gehen. Produktangebote können von Fans als zu identisch erlebt werden, die auf dem gleichen Markt konkurrieren. Das nennt man auch Markenkannibalismus. Hast du keine Sorge, dass ein Event das andere auffrisst?

Wir passen auf, dass wir uns nicht ins eigene Fleisch schneiden. Ein Event unterstützt irgendwo das andere. Die Aspekte hier weiter auszuführen würde ein ca. 50-blättriges Skript beanspruchen und ich würde Details unseres Konzeptes verraten. Aber netter Versuch.

Welche Visionen hast du für dein Geschäft bzw. deine Events in 3-5 Jahren?

Wir sind ständig in Bewegung und am Wachsen. Big Game und Fair FC sind auf Wachstum ausgerichtet und die anderen Labels produzieren den nötigen Treibstoff.

Wenn du die beiden Ereignisse Fair FC und Grand Boxing hinter dir hast, was planst du noch dieses Jahr?

Wir werden bei unseren Freunden Storm FC & bei der Mix Fight Gala in der Fraport Arena mit ein paar unserer Kämpfer starten und diese Events mit bewerben. Ansonsten denke ich, es ist Zeit für Heroic Battle und für MMA Likes You mit Ignacio. Die meiste Konzentration gilt aber für 2018, Big Game II.

Unter allen deinen Events, welche ist deine Lieblingsshow, also Top 3?

Ganz miese Frage – und hat mit meiner subjektiven Tageslaune zu tun.
Objektiv betrachtet
– Big Game – Finest Mixed Martial Arts & K1-Kickboxing Gala
– Fair Fighting Championship
– Heroic Battle

Bester Kämpfe:

-MMA: Max Coga vs. Lom-Ali Eskijew (Fair FC) & Jarno Errens vs. Arthur Grass u. v. a.

K1: sehr sehr viele. Nick Morsink vs. Freddy Kretschmar, Benjamin Malekzadeh vs. Ilias Elhajoui (Aufnahmen wurden geklaut) und mein Freund Samir Almansouri vs. Bilal Beddaoui.

Boxen: Sergej Wotschel ist immer gerne gesehen. Ivan Freidenberg und Fabrizio Rubino haben bei No.1 Championship auch überzeugt.

Von Herne nach Gießen: Was sind die Unterschiede beider Standorte in Sachen Kampfsport?

In Sachen Kampfsport ist das Ruhrgebiet viel weiter, dafür ist die Lebensqualität in Hessen im Vorteil.

Wie schwer ist es dir gefallen, deine alte Truppe in Herne aufgeben zu müssen?

Die Gruppe ist autodidaktisch und wurde nicht aufgegeben. Sie sind bei meinem Freund Kutlay Ates gut aufgehoben und wir halten Kontakt. Aber ja, es fiel mir sehr schwer. Aber im neuen Gym (3 Jahre inzwischen) fühle ich mich sehr wohl.

Was gefällt dir in Gießen gut?

Unser Gym EFC mit Ali Rashidi … Spaß beiseite, so ziemlich alles.

Beim MMA nennen alle Kämpfer als Ziel die UFC. Was ist dein Traum?

Der Zug ist für mich abgefahren, ich habe keine Ambitionen, in die UFC zu kommen. Der Weg ist das Ziel und ich freue mich für unsere Kämpfer, wenn sie es in die UFC schaffen. Das sollte aber nicht das finale Ziel sein.

Danke für das Interview Isa!

Vielen Dank an alle, die uns unterstützen. Vielen Dank für das Interesse an einem Interview mit mir.

Das Interview mit Isa Topal führte Alexander Unruh