Gennady Golovkin: Seine Zukunft und ein Sieg ohne Glanz und Gloria

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Gennady Golovkin über dem Zenit?

Wenn ein großer Boxer seinen Zenit längst überschritten hat und nur noch für den Profit weiter boxt, dann muss man feststellen, dass der Sensationssieg von Andy Ruiz Jr. vor einer Woche gegen Anthony Joshua doch nur ein kleines Strohfeuer war, der dem Boxen für einen Tag einen kleinen Auftrieb gab. Die erhoffte Renaissance blieb damit aus und der Boxsport schlittert immer weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit.

Gennady Golovkin ist dieser eine große Boxer, den man für seinen einzigartigen Boxstil und seine einstige Dominanz bewundern musste und dem man schon vor einem Jahr gewünscht hätte, die Boxhandschuhe an den Nagel zu hängen. Was man immer wieder sieht ist, dass kurz vor der sportlichen Rente auch Boxer stur werden können und es nicht akzeptieren wollen, dass ihre Zeit längst gekommen ist. Was ist aber schlimm daran, die Segel auf einem guten Level zu streichen? Muss man immer dann abtreten, wenn man körperlich und geistig kaputt ist?

Glanzloser Sieg gegen einen drittklassigen Boxer

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In der vergangenen Nacht feierte der 37-jährige Gennady Golovkin gegen den Kanadier Steve Rolls nach siebenmonatiger Pause seine Rückkehr in den Ring. Er gewann erwartungsgemäß durch einen Knockout in der vierten Runde. Heute lässt sich der Kasache dafür feiern, einen Mann geschlagen zu haben, der sich auf dem Papier mit 19-0 Siegen wie ein Weltklassekämpfer liest, aber in Wirklichkeit nicht einmal zur erweiterten Weltspitze gehört. Tapfer war dieser 35-jährige Rolls sicherlich. Er schlug sogar mutig mit, traf sogar ein-zweimal gut, gegen einen Golovkin, der neue Dinge machen wollte. Tatsächlich zeigte ‚Triple G‘ in der ersten Runde ein paar kleine Updates. Es war plötzlich auch mal eine Deckung zu erkennen und er wich hier und da aus, statt wie ein Roboter nach vorne zu gehen, den Eisenschädel voran, weil er weiß, dass er unzerstörbar ist.

Golovkin konnte es sich in seiner besten Zeit sicherlich auch erlauben, offen zu boxen, einfach weil er die Physis dafür (immer noch) hat und sich immer auf seine unmenschliche Schlagkraft, seine hohe Schlagfrequenz und sein Tempo verlassen konnte. Nur ist der Dominator früherer Tage langsamer geworden und das nicht erst seit den Kämpfen gegen Alvarez, sondern fiel  es erstmals im Jahr 2017 im Duell gegen Daniel Jacobs auf, dass er etwas an Schnelligkeit verloren hatte.

Von schönen Worten berieselt

Der US-Amerikaner Daniel Jacobs schenkte am 18. März 2017 im Madison Square Garden die erste Hälfte des Kampfes gegen “GGG“ vor Ehrfurcht ab. Doch als er merkte, dass er den Kasachen besiegen kann, gewann er die letzten fünf Runden sehr dominant und stand kurz davor, den Champion zu schlagen. Doch am Ende verlor Jacobs nach Punkten und weder die Fans, noch das Umfeld von Glovokin wollten damals erkennen, dass der Kasache viel Glück hatte. Aber warum? Man muss vielleicht wissen, dass Boxer auf ehrliche Kritik sehr empfindlich reagieren können, nicht hören wollen, dass es langsam aber sicher vorbei ist. Sie lassen sich stattdessen von schönen Worten berieseln und treten zum Ende ihrer Karriere nur noch gegen handverlesenes Fallobst an. Das ist auch eine Ego-Geschichte. 

Klitschko ein warnendes Beispiel 

Ein bisschen Geld verdienen und dafür ein paar drittklassige Leute mit gebügelten Rekorden zu besiegen, ist gängige Praxis, aber zu oft sollte man nicht No-Names boxen und dabei seinen Ausstieg verpassen, da es irgendwann nur noch tragisch wird. So war es bei Wladimir Klitschko, der den richtigen Moment zum Absprung verpasste und nach seinem Kampf gegen zweit- und drittklassige Schwergewichte wie Jean Marc Mormeck oder gegen den Lastwagenfahrer Alex Leapai seinen Titel zu lang behielt. Durch diese geschenkten Siege verlor Klitschko den Blick auf sich selbst und stellte sich zum Ende seiner Karriere dem besseren “Box-Mittelstand“ und erlebte zweimal hintereinander sein blaues Wunder, der mit seinem Abtritt endete.

Das erste was auffiel: Wladimir Klitschko hatte deutlich an Speed verloren. Doch Geschwindigkeit war ein wichtiges Rezept bei ihm, der, der nicht mit einem Eisen-Kinn ala Golovkin ausgestattet war. Im Mittelgewicht fallen altersbedingte Geschwindigkeitsdefizite nicht so zum tragen, wie im Schwergewicht, aber sie machen sich natürlich auch bemerkbar, wenn ein alternder Ex-Champion auf einen jungen pfeilschnellen Techniker mit Dampf in den Fäusten trifft.

So wie im kommenden September. Dann steht das dritte Duell zwischen Golovkin und dem 28-jährigen Saul “Canelo“ Alvarez, dem im Moment stärksten Boxer im Mittelgewicht an.

Drittes Duell gegen “Canelo“ im September

“Carnelo“ ist nicht nur der stärkste Boxer im Mittelgewicht, sondern hat auch altersmäßig dem 37-jährigen Kasachen an Frische und Regenerationsfähigkeit einiges voraus. Der Kampf mag gut für die Konten beider Boxer und die der TV-Sender sein, aber nicht für die Reputation von Golovkin, wenn er das nächste Mal vielleicht vernichtend geschlagen wird. 

Aufhören, wenn man noch gesund ist

Die eigene Vergänglichkeit sollte man irgendwann akzeptieren, sonst läuft man Gefahr, dass man sich selbst zur Lachnummer degradiert. Davon ist Golovkin zwar noch ein Stück entfernt und wenn er heute aufhört, würde es sicherlich vielen seiner Fans das Herz brechen, doch die Menschen, die ihn um seiner selbst willen lieben, werden sich zumindest innerlich freuen, denn genug Geld sollte Gennady Golovkin längst besitzen, um als Khan von Kasachstan ein Leben in Saus und Braus zu leben.

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Frank Hauser

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