Geld verdienen mit Kampfsport? Eddi Pobivanez und Murat Aygün zur Situation in Deutschland

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Eddi Pobivanez und Murat Aygün zur Situation in Deutschland

Geld verdienen mit Kampfsport? Ein Traum den nur ganz wenige Kampfsportler und Funktionäre in Deutschland leben können. Ein Vorzeigeathlet wie Eddi Pobivanez lebt als “Pro-MMA-Kämpfer“ von der Hand in den Mund, deshalb hat der Hoffnungsträger die geliebten MMA Handschuhe (vorerst) an den Nagel gehangen und geht arbeiten. Der Grund ist einfach: Eddi muss seine Rechnungen bezahlen, dafür reichen die Gagen von den Veranstaltungen nicht aus. Es ist nur ein Zubrot für die Sportler, mehr nicht. Das Paradoxe ist allerdings, dass Kämpfer, wie der Bad Salzuflener, in Deutschland als Profis geführt werden, aber das Leben von Amateuren führen, da eine Vollzeitstelle hauptberuflich unabdinglich ist. 

Auch Funktionäre nicht besser dran

Rechts Eddi Pobivanez mit Freunden und Kollegen

Dieses Schicksal teilt Eddi Pobivanez nicht nur mit vielen anderen Kampfsportlern, sondern auch mit anderen Protagonisten, wie dem “Multifunktionär“ Murat Aygün, der mit seinem Unternehmen Contract Fighters Germany nationale Kämpfer managt, dazu als Coach arbeitet, neuerdings auch als Matchmaker Veranstaltern hilft und selbst Events und Seminare organisiert.

Doch wer nun glaubt, dass Aygün damit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, der irrt gewaltig. Der 40-Jährige ist Lehrer an einen Gymnasium und schätzt die Sicherheit, die ihm als Beamter zuteil wird. Doch hätte er die Wahl, der Kampfsport hätte nach seiner Familie die höchste Priorität und in seinem Traum verdient er damit seinen Lebensunterhalt.

Dieses Schicksal teilen auch wir als Journalisten, die ebenfalls als “Kampfsport-Generalisten“ nicht nur Berichterstattung betreiben, sondern im Hintergrund in vielen anderen Bereichen tätig sind und ebenfalls unser Einkommen mit stinknormalen Jobs bestreiten müssen. 

Veranstalter sitzen mit im Boot

Auch der Großteil der Veranstalter sitzen mit allen genannten Parteien in einem Boot. Manche Organisationen haben teilweise Existenzängste, andere sind schon kurz davor aufzugeben bzw. nicht wenige haben schon Schiffbruch erlitten. Wirklich schön für eine handvoll Promoter, die sich aktuell keine Sorgen machen müssen und denen wir das auch gönnen. Wichtig ist an dieser Stelle zu sagen, dass es an den Veranstaltern selbst auch nicht liegt, dass die Gelder ausbleiben, sondern besonders an der Haltung der Deutschen zum Kampfsport und damit verbunden an der Wirtschaft, die sich nicht auf den Markt traut. 

Fußball, Fußball und nochmals Fußball

Gerade MMA, aber auch Muay Thai und Kickboxen haben einen schweren Stand in der Sportwelt hierzulande. Nach König Fußball kommt beim Deutschen erst einmal lange nichts, dann irgendwann ein bisschen Handball, Formel 1 und vielleicht Eishockey sowie Tennis. Zu den Glanzzeiten eines Henry Maske, bis zur Hochphase von Kämpfern wie Artur Abraham und Felix Sturm, stand auch der Boxsport ganz oben in der Gunst der Deutschen, war sogar nach Fußball die Nummer 2 hierzulande. Doch durch geierhaftes Verhalten, unsägliche Egotrips einiger namhafter Protagonisten, hat sich der Boxsport, aus negativer Sicht, längst wieder als Randsportart etabliert. Traurig!

Hallen bleiben öfters leer

Wohin geht also die gemeinsame Reise von MMA und Kampfsportarten wie K1 und Muay Thai? Im Moment sind umtriebige “Mächte“ dabei, das zarte Pflänzchen Kampfsport auszubeuten und für eigene Zwecke auszunutzen. Statt vorwärts zu kommen, gibt es für gefühlt 90 Prozent der Szene einen Stillstand bzw. hat Kampfsport vielerorts sogar einen gewaltigen Rückschritt gemacht. Zuletzt konnten viele Veranstalter ihre Hallen nicht mehr füllen. Aber warum? Teilweise guckt der potenzielle Fan für 5 – 15 Euro bequem von der Couch aus, statt 30 bis 140 Euro für ein Ticket zu zahlen.

Von den mickrigen TV-Geldern kommt allerdings selten etwas bei den Veranstaltungen an und erst Recht nicht bei den Sportlern, weil der Umsatz auch in diesem Bereich stagniert, die Sender selbst mit Zuschauerschwund zu kämpfen haben. Ein Kreislauf dringend benötigter Gelder versiegt leider an den falschen Stellen, nämlich dort, wo Menschen walten, die kein echtes Interesse am Wohl des Kampfsports haben, sondern nur ein kurzfristiges Geschäft wittern. 

 Attila Revada