Gashi, Schwarz und Maaß – Viel Trubel bei SES-Gala in Berlin

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“Gashi sah Schwarz und das Ma(a)ß war voll“

Am Samstag, den 21. April 2018 fand im Estrel Hotel Berlin die SES Box-Gala statt. Im Mittelpunkt stand der Schwergewichts-Boxkampf zwischen dem Deutschen Meister und WBO-Intercontinental-Champion Tom Schwarz aus Magdeburg und seinem Herausforderer Senad Gashi. Die Ausgangslage für diesen Kampf? Tom Schwarz, 1,97 Meter groß, hatte gegen den in Marbella/ Spanien lebenden Hamburger Senad Gashi, der 1,84 Meter groß ist, einen Größenvorteil von gut 13 cm. Gashi musste als Herausforderer gegen Champion Schwarz mehr tun, um die Titel zu gewinnen, was er auch tat. Wie bestimmt die meisten schon wissen: Der Kampf endete mit einem Eklat. Nicht ganz unbeteiligt daran war Ringrichter Frank-Michael Maaß. 

Typisches Duell zwischen großem und kleinerem Boxer

Es ist das typische Duell zwischen einem großgewachsenen und einem kleineren bulligeren Boxer. Nicht untypisch bei solchen Duellen ist, dass der große Kämpfer den kleineren Mann öfter runterdrückt, was normalerweise zu ahnden ist, auch mit Punktabzug, wenn es mehrfach passiert. Tom Schwarz drückte gestern Abend in nahezu jeder Runde Gashi nach unten, ohne in sechs Runden einen einzigen Punktabzug zu erhalten. Das Problem dabei ist, dass es dem Gegner die Kraft raubt. Ein Mittel, das man oft bei Kämpfen von Henry Maske oder Wladimir Klitschko sah. Nicht jedes Runterdrücken ist gleich beabsichtigt, sondern oft dem Größenunterschied geschuldet. Denn der kleinere Mann muss den langen Händen ausweichen, dabei gehört das Pendeln und Abducken dazu, was ein probates Mittel ist, um die Reichweite des Gegners zu überbrücken und im In-Fight selbst zu treffen. Ein Problem ist dabei, wenn der Größenunterschied eklatant ist, gerät der kleinere unter die Arme des größeren Mannes, der daraufhin dies ausnutzen kann und sein gesamtes Gewicht auf den Angreifer verlagert. Im In-Fight gibt es noch eine zweite Komponente, die man oft in solchen Kämpfen sieht. Der kleinere Boxer berührt mit seinem Kopf, mal härter, mal weniger hart, den des Gegners, was natürlich je nach Härte ebenfalls vom Referee zu ahnden ist. Dies tat Ringrichter Maaß in diesem Fall gestern Abend mehrfach, obwohl nicht jeder “Kopfstoß“ beabsichtigt war.

Zwei Punkte Abzug wegen Losreißen? 

Beim ersten Kopfstoß in der zweiten Runde, die Gashi übrigens nach der ersten Runde ebenfalls klar gewonnen hätte, zog der Unparteiische ihm zwei Punkte ab. Zumindest auf den TV-Bildern sah die Angelegenheit zuerst eindeutig aus. Allerdings muss man auch sehen, dass Schwarz in Bedrängnis Gashi festhält. Und wenn man genauer hinschaut, versucht sich der kleinere Kämpfer zu befreien, dabei liegt sein Kopf unmittelbar unter dem Kinn von Schwarz. Um sich aus der Umklammerung zu lösen, drückt er den Kopf von Schwarz hoch, statt ihn zu stoßen. Ein unglücklicher Befreiungsversuch, bei dem Schwarz zu Boden geht und minutenlang benommen zu sein scheint. Doch bei Analyse der Bilder, muss man das Runtergehen von Schwarz, der wie angemerkt die Runde klar verloren hatte, hinterfragen. Wieso macht er das? Es ist kein harter Kopfstoß zu erkennen, sondern mehr ein Hochschieben in einem Befreiungsversuch seines Gegners. Und seit wann geht ein Boxer mit nach oben gerissenen Armen theatralisch K.O.? Eine Szene, die man eher vom Fußball kennt, wenn sich Spieler fallen lassen, um einen Elfmeter zu schinden. Naja…

Die dritte Runde ging wieder klar an Gashi. Der gebürtige Kosovoalbaner blieb weiterhin agiler, schneller und treffsicherer. 

Erneuter Punktabzug gegen Gashi

In der vierten Runde war Gashi weiterhin der bessere und dominantere Kämpfer, der Schwarz in der neutralen Ecke festnagelte und mit Schlägen eindeckte. Wieder hielt Schwarz den Gegner fest. Gashi begeht hier eine Dummheit, stößt Schwarz seitlich leicht mit dem Kopf. Ringrichter Maaß unterbricht den Kampf, doch Schwarz nutzt dies aus und schlägt mehrfach nach, was sogar die härtere Aktion war und genauso unklug wie der “Kopfstoß“ zuvor. Doch nur Gashi bekommt erneut zwei Punkte abgezogen. Schwarz kommt dagegen ungeschoren davon. Somit gewinnt der Magdeburger die Runde mit 9:8, zumindest wenn die Punktrichter das neutral bewertet haben. Trotzdem sollte Gashi zu diesem Zeitpunkt nicht hinten liegen, denn der Punktabzug ist nach den Boxregeln erst nach der Runde abzuziehen, bis dahin müssen die Punktrichter so werten, wie der Kampf stattfand. Und beide Runden mit Punktabzug für Gashi hatte Schwarz neutral betrachtet eigentlich verloren.

Schwarz kommt besser in den Kampf

In der fünften Runde konnte Schwarz erstmals eine Runde ausgeglichener gestalten, er hielt nun besser die Distanz und traf sogar erstmals klar. Aber Gashi bestimmte, auch wenn nicht mehr so dominant, in dieser Runde das Geschehen.  Allerdings kann man die Runde mit Wohlwollen, unter Berücksichtigung von Titelträger und Herausforderer, erstmals auch an Schwarz geben. Wir gaben sie aber an Gashi. Somit lag der Wahl-Hamburger mit kosovarischen Wurzeln immer noch mit einem Punkt in Front.

Eklat in der sechsten Runde 

Die ominöse sechste Runde bedeutete auch einen handfesten Skandal. Hier wollen wir auch wieder den Blick auf den dritten Mann im Ring lenken, auf den Ringrichter, der wahrlich nicht seinen besten Tag hatte. Gashi befand sich einmal mehr im Vorwärtsgang und und nagelte wieder seinen Gegner in der Ringecke fest. Schwarz hielt ihn wieder fest und drückte ihn erneut runter, dabei schlug er auf den Rücken und Hinterkopf. Gashi revanchierte sich nach dem Break des Refs mit einem leichten “Kopf-Stupser“. Zu viel für Ringrichter Frank-Michael Maaß: Der Unparteiische disqualifizierte Gashi und kürte so Tom Schwarz zum Sieger. 

Gashi und Schwarz außer Kontrolle

Gashi war nach der unerklärlichen Leistung des Referees außer sich und forderte den jubelnden Tom Schwarz dazu auf, weiterzukämpfen. Der 23-jährige Magdeburger ließ sich nicht zweimal bitten und begann gleich zu schlagen, sogar so, wie man es sich von ihm im Kampf erwartet hätte, nämlich explosiv und aggressiv. Ein Betreuer von Gashi warf sich dazwischen und versuchte die Lage zu entschärfen, aber Schwarz schlug nun auch auf ihn ein. Man darf nicht vergessen, der Magdeburger ist gerade einmal 23 Jahre jung, gilt als sehr emotionaler Boxer, genau wie Gashi, der aber mehr Lebenserfahrung besitzt. Man muss festhalten, dass beide Boxer ihre Nerven nicht im Griff hatten. Sicherlich hätte Gashi auch zuvor seine Mätzchen unterbinden können, aber nicht ein einziger Kopfstoß war wirklich hart, zweimal waren es mehr Provokationen, eher Stupser, die man sich sicherlich ersparen hätte können.

Referee trifft eine Teilschuld

Referee Frank-Michael Maaß fand kein gesundes Maß in diesem Duell, stattdessen beschäftigte sich der erfahrene Unparteiische über die gesamte Kampfdauer hauptsächlich mit Gashi, forderte ihn mehrfach auf, nicht während des Kampfes zu reden. In einer Runde rief Maaß „Stopp!“, ohne zu erklären, warum er das tat. Letztlich unterbrach er nur einen Angriff von Gashi, der verwundert den Ringrichter ansah, während Schwarz gleich wieder zum Angriff überging. Man muss dem Ringrichter bei diesem Skandalkampf eine Mitschuld geben, denn es ist auch seine Aufgabe, ein gesundes Maß zu finden und beide Kämpfer gleich zu behandeln. Leider versagte der Unparteiische genau dann, als es auf seine Erfahrung und Weitsicht ankam, denn das Ende des Kampfes war falsch und nicht würdig für hohe Ambitionen. 

Fans haben die Schnauze voll

Man vergisst immer wieder gerne, dass das Boxen in Deutschland nicht besonders gut da steht, die Fans haben nämlich die Schnauze voll von zweifelhaften Entscheidungen. Immer weiter schmilzt das Interesse, die Hallen werden immer kleiner und die großen Sender winken schon länger ab. Man fühlt sich aufgrund solcher einseitigen Entscheidungen immer mehr machtlos und muss zusehen, wie einer ganzen Szene der Boden unter den Füßen weggezogen wird. 

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Attila Revada