Eddi Pobivanez: Ich liebe es an meine Grenzen zu stoßen

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Interview mit Eddi Pobivanez

In Bad Salzuflen lebt ein junger Athlet, der schon im Jahr 2012 zu einem der talentiertesten Kämpfer in Deutschland zählte und in seiner Amateurzeit sogar UFC Kämpfer Khalid Taha bezwingen konnte. Gemeint ist der 26-jährige Eddi Pobivanez, der in Kasachstan geboren wurde und in Deutschland aufwuchs. Eine Karriere als Vollzeitprofi ließ sich mit seinem Pflichtbewusstsein nicht vereinbaren, denn Pobivanez möchte alles was er anfasst zu 100 Prozent machen. Doch Privatleben und Job kollidieren mit seinem geliebten Sport, über das er Bücher schreiben könnte.

Von MMA können in Deutschland nur wenige Kämpfer leben, auch er nicht. Dabei wäre der charismatische Deutsch-Kasache wie gemalt dafür, das Gesicht einer Kampfsportart zu sein, die so langsam aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Der bodenständige Ostwestfale hat aber seine Prinzipien, die da auch heißen, sich keinen Illusionen hinzugeben und als einer der jüngsten Headcoachs Deutschlands seine Kraft in hoffnungsvolle Talenten zu investieren und ihnen den Weg zu ebnen. Doch aktuell braucht er alle Kraft für sich selbst, da er sich wieder auf einen Kampf vorbereitet – natürlich mit voller Hingabe und einem Plan.

Wir sprachen mit Eddi Pobivanez nicht nur über seine bevorstehende Aufgabe, sondern auch über das berühmte Was-Wäre-Wenn-Szenario und weitere interessante Themen.

GFN: Hallo Eddi, es ist viel Zeit vergangen, seit wir uns im April 2018 in Bielefeld gesehen hatten. Wie ist es dir seither ergangen?

Eddi Pobivanez: Es ist echt viel Zeit vergangen seither. Mir geht es eigentlich ganz gut, ich kann trainieren, Training geben und mit meinen Jungs zu Wettkämpfen fahren. Ich habe einen vollen Terminkalender, sodass die Zeit nur so verfliegt.

Deine Kämpfer vom SaiyaGym sind weiterhin erfolgreich unterwegs. Gibt es neue Gesichter im Team?

Das Stimmt, wir haben im Gym echt ein paar hervorragende Jungs, wie zum Beispiel Umut Celen, der immer unglaublich akrobatische Kämpfe abliefert. Natürlich Vitali Ginter, der jetzt wieder angreifen wird. Er ist ein Junge, der seine Stärken auszunutzen weiß. Im Kickboxen habe ich den Sami Ben Ali, der sich unglaublich entwickelt hat und viele weitere wie auch Dennis Behar, Maxi Lavin und so weiter. Alle aufzuzählen würde den Rahmen des Interviews sprengen.

Wir haben ein paar hervorragende Jungs

Wer ist aktuell die größte Hoffnung bei euch?

E. Pobivanez mit Vitaly Ginter und Kevin Schmalz

Größte Hoffnung? […] Das ist schwer zu sagen. Da würde ich mich ungern festlegen wollen. Wir haben viele talentierte und fleißige Jungs. Ich sehe in jedem Potenzial, der es auch durchzieht und an sich glaubt.

Warum nicht ein Eddi Pobivanez? Immerhin kämpfst du bald wieder.

Als Trainer habe ich mich um viele Sachen zu kümmern, wie Beispielsweise die Aufgabe, die Jungs zu hoffnungsvollen Talenten zu schmieden und den Gym-Betrieb aufrecht zu halten. Wenn es sich dann irgendwie zeitlich ergibt, mache ich ein, zwei Kämpfe.

Deine Comeback-Ankündigung hat viele überrascht. Wie kam es dazu, dass du wieder in den Käfig steigst?

Ich würde es ungern wieder ein Comeback nennen. Irgendwie ist jeder Kampf von mir ein Comeback. Ich kämpfe einfach wenn sich die Möglichkeit ergibt. Wie bei unserem Interview letztes Jahr erwähnt, nehmen Arbeit, Gym und Privatleben sehr viel Zeit in Anspruch. Die Kosten müssen ja auch gedeckt werden.

Ich würde es ungern wieder ein Comeback nennen

Du gibst dein Comeback bei Respect, die einen Neustart wagt. Warum bei diesem Event und was verbindet dich mit Respect?

Respect ist eine tolle Veranstaltungsreihe, mit der ich gute Erfahrungen sammeln konnte und ich war auch der Titelanwärter bei denen. Mein Manager Murat Aygün hat ein super Angebot bekommen und ich wollte unbedingt kämpfen.

Dein Gegner ist der ungeschlagene Afghane Amir Shah Bayat, gegen den dein Kämpfer Alexander Wiens 2017 unentschieden gekämpft hatte. Das spricht für die Qualität von Bayat. Was kannst du über deinen Gegner sagen und was für einen Kampf erwartest du?

Der Amir ist kein Fremder für mich. Er hat gegen Alex und auch gegen Gjoni Palokaj von unserem Partner-Gym der Fightschool Hannover gekämpft. Deswegen ist das jetzt unsere dritte Begegnung mit ihm. Er ist ein explosiver und kräftiger Athlet, der viele gute Fähigkeiten hat, vor denen man sich in Acht nehmen muss. Trotzdem sehe ich mich in vielen Bereichen vorne. Sowohl im Stand, als auch auf dem Boden. Ich habe in meiner Karriere starke Leute gekämpft. Ich fürchte mich nicht, doch aufpassen muss ich wie bei jedem anderen Kampf auch. Ich denke es wird eine Schlacht, bei der die erste Runde entscheiden wird, wie der Kampf endet.

Wie man dich kennt, wirst du dich wieder sehr akribisch vorbereiten. Wie ist eigentlich ein Eddi Pobivanez in dieser Zeit?

Natürlich werde ich mich bei mir im Gym unmenschlich auf diesen Kampf vorbereiten und auch von der Fightschool Hannover erhalte ich dafür unglaublich viel Unterstützung.
Ich möchte immer besser werden und ich habe ein Motto, an das ich mich halte: Ich muss besser als mein Gegner
trainieren.

Ich muss besser als mein Gegner trainieren.

Wie läuft das ab?

In der Vorbereitung bin ich sehr fokussiert. Ich schlafe nach Plan, ich esse nach Plan und alles was sich nicht an meinen Plan anpasst, wird weggedrängt. Sogar die Zeit zwischen meinen Einheiten ist geplant. Natürlich gibt es auch welche, die sagen, dass das verrückt ist. Ich möchte aber alles perfekt haben und machen. Bei jedem Training gebe ich 100 Prozent, ich suche meine Fehler und Schwächen und versuche diese einzudämmen. Eigentlich ein komplexes Thema. Ich könnte euch darüber einen Roman schreiben (lacht).
Als Trainer merke ich ja, dass jeder Kämpfer anders tickt. Mancher verrückter als der andere. Ich bin aber froh, dass die meisten Menschen an meiner Seite das verstehen.

Soll dein Auftritt eine einmalige Sache werden oder planst du noch weitere Kämpfe?

Ich plane nie zu weit im voraus und eigentlich plane ich überhaupt nie etwas, was mich angeht. Es ergibt sich alles von selbst. Vielleicht möchte ich auch schon dieses Jahr noch einmal kämpfen. Vielleicht aber auch Anfang nächstes Jahr, aber das weiß, glaub ich, nur der liebe Gott.

Hast du dir persönliche Ziele gesetzt?

Mein Ziel ist es einfach einen geilen Kampf abzuliefern, am besten in den ersten zehn Sekunden zu gewinnen und mich nicht zu verletzen. Ich sage meinen Jungs immer: “Je schneller ihr den Kampf gewinnt, desto besser wart ihr als euer Gegner vorbereitet“.

Du bist bekanntermaßen sehr jung Coach geworden und hast ein gutes Team in Bad Salzuflen aufgebaut. Würde es dich nicht auch mal reizen, hierzulande bei den Top-Gyms wie MMA Spirit oder UFD Gym langfristig zu trainieren oder bei einem großen Gym im Ausland?

Es reizt mich sehr, weil ich natürlich, zumindest denke ich das, gute Fortschritte machen würde und international mitmischen könnte. Ich denke, diese Erfahrung ist normalerweise nötig, um einen echten Profi aus mir zu machen. Doch ich habe einen anderen Weg gewählt. Ich bleibe diesem Weg treu und ich weiß, dass das, was ich mache, das Richtige ist.

Ich bleibe meinem Weg treu

Aktuell sind aus Deutschland einige Jungs bei der UFC gelandet. Wer überrascht dich von denen am meisten zurzeit?

Die Knockouts von Nasrat Haqparast und Khalid Taha waren bombastisch. So muss es laufen, um sich da einen guten Namen zu machen. Da sieht man, dass harte Arbeit sich auszahlt.

Vom Talent her hättest du heute auch in der UFC oder bei einer anderen Organisation wie Bellator oder One FC sein können, wenn du nicht immer wieder Auszeiten genommen hättest. Wäre das nicht noch ein Ziel, das es sich lohnt anzugreifen?

Ehrlich gesagt, vielleicht ergibt sich das (lacht). Vor einem Jahr hätte ich nicht erwartet, dass ich einen Titelkampf bei Respect machen würde. Nein, Spaß beiseite, ich Kämpfe weil es mir Spaß macht und ich mich dadurch menschlich weiterentwickeln kann, ich die Vorbereitungszeit liebe und am meisten dabei an meine Grenzen stoße.

Letztes Jahr im April hatten wir über das leidige Thema Geld gesprochen, das bekanntlich ein wichtiger Faktor ist, um nach oben zu kommen. Siehst du seither einen positiven Fortschritt in der Szene?

Also das Fernsehen ist bei Respect jetzt mit am Start und hat zwei verschiedene Livestream-Kanäle. Es wird mehr und mehr darüber gesprochen. Ob aber dadurch mehr Geld für die Sportler fließt, bezweifle ich. Wir brauchen bessere Sendezeiten im Live-TV, damit es für die Sponsoren noch attraktiver wird. Da muss die Politik sich mal ihren Stock aus dem Hintern ziehen und sich um wichtigere Dinge kümmern und nicht um so was. Sorry für die Ausdrucksweise, aber das muss ehrlich ausgesprochen werden.

Politik muss sich ihren Stock aus dem Hintern ziehen

Wie siehst du die Szene in Deutschland aktuell? Was nervt dich, was findest du gut an ihr?

Die Szene entwickelt sich ganz gut, man kann immer irgendwo Kämpfe gucken und wir sind live im TV. Der MMA-Sport lebt. Es nervt nur, dass es immer noch kein gutes Geld gibt.

Die German MMA Championship schießen aktuell durch die Decke und stehen international immer stärker im Fokus. Wie siehst du die Entwicklung von GMC?

GMC ist zurzeit eine Wucht. Ich war bei Niko Serbezis in der Ecke bei seinem Fight gegen Felix Schiffahrt. Das ganze Drumherum, die Hallen, die Werbung und die Behandlung der Sportler ist super. Ich wurde nie schlecht behandelt, von keinem Veranstalter. Die Entwicklung von meinem letzten Kampf 2017 bei GMC angefangen, über den von Alex und bis jetzt zu dem von Nico dieses Jahr ist zu sehen. Von Veranstaltung zu Veranstaltung gibt es einen Fortschritt bei GMC zu sehen.

Vielen Dank für das Interview Eddi.

Ich danke euch auch vielmals.

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Das Interview mit Eddi Pobivanez führte Attila