David Haye verliert gegen Tony Bellew durch TKO und ich meine letzte Hoffnung!

Boxen

ANZEIGE

Aus und vorbei möchte man sagen, die große Karriere des ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister David Haye scheint beendet zu sein. Der Brite verlor am Samstagabend in London gegen seinen Landsmann Tony Bellew in Runde 11 durch TKO und war stellenweise ein Schatten seiner selbst. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass der WBC Weltmeister im Cruisergewicht Tony Bellew einen restlos überzeugenden Kampf abgeliefert hätte.

In einer Zeit, in der ein “Trash-Boxer“ wie Shannon Briggs noch einen bedeutenden WM Kampf erhält, wirkte die Ansetzung zwischen David Haye und Tony Bellew für mich fast wie das legendäre Rumble in the Jungle. Natürlich war das ein Spaß, aber tatsächlich hatte ich als Fan des Schwergewichtsboxen noch einmal die kleine Hoffnung, einen guten Kampf miterleben zu dürfen. Doch heute war keiner dieser großen Tage, die ich bis Ende der Neunziger Jahre noch miterleben durfte. Nach der Jahrtausendwende dominierten mit kleineren Ausnahmen die Klitschkos fast anderthalb Jahrzehnte das Boxen im Schwergewicht, ohne richtige Konkurrenz zu haben. Doch da war aber auch dieser David Haye, giftig und ungemein schnell, der 2011 Wladimir Klitschko entgegenstand. Ein Langweiler, bei dem sich beide Kämpfer fast neutralisierten und als knapper Sieger nach Punkten Klitschko den Ring verließ. Zwei Jahre zuvor nahm Haye dem boxenden Riesen Nikolay Valuev als Cruisergewichtler den Schwergewichtstitel ab.

Und ein Jahr nach dem Kampf gegen Klitschko verprügelte Haye noch David Chisora und schickte diesen durch TKO in den Ringstaub. Das schaffte zuvor weder ein Vitali Klitschko, noch später irgendeiner, Chisora im Kampf klassisch auszuknocken, was viel über die einstige Qualität von Haye aussagte.

Aber dann kam dieser verdammte Bandscheibenvorfall und Hayes Rücktritt vom Boxsport. Nach vier Jahren Abstinenz, als das Schwergewichtsboxen nun komplett am Ende war und noch ist, sich sogar ein Tyson Fury Weltmeister nennen durfte, gab der “Hayemaker“ sein von mir langersehntes Comeback. Millionen Fans hatten wieder etwas Hoffnung auf besseres Boxen und vielleicht einen Rückkampf gegen Wladimir Klitschko.

Boxen konnte dieser Haye immer schon und er ließ zumindest bei seinem Comeback gegen den Australier Mark de Mori (30-2-2) sein Können von einst aufblitzen. Nach einem weiteren glanzlosen TKO Sieg gegen den Kosovaren Arnold Gjergjaj (30-1-0) stand Samstagabend sein dritter Kampf an.

Tony Bellew ist ein guter ehemaligen Halbschwergewichtler, der aktuell WBC-Champion im Cruisergewicht ist. Wie erwähnt ist der Liverpooler ein guter Boxer, der aber nichts im Schwergewicht zu suchen hat, doch mangels Alternativen es doch durfte. Übrigens kennt man in Deutschland Bellew aus dem Boxerdrama Creed – Rocky’s Legacy, einem unterhaltsamen Spin-off zur Rocky-Filmreihe.

So standen sich also dieser schauspielernde WBC-Champion Tony Bellew und meine letzte Hoffnung David Haye in der Londoner O2 Arena gegenüber. Es ging um keinen Titel, nur um die Ehre und wie manche Medien Titelten, um England. Ganz so dramatisch war es dann doch nicht.

Der Kampf fing an, wie man es erwarten durfte, mit vorsichtigem Abtasten. Hier und da gab es in den ersten 3 Runden ein paar kleinere Aktionen, ohne das einer der beiden Boxer glänzen konnte. Der mittlerweile 36-jährige Haye ging zumindest bis zur 5. Runde als der aktivere Boxer nach vorne und führte nicht nur bei mir mit einer Runde hauchdünn den Kampf an. Auch der frühere Weltmeister im Mittelgewicht Carl Froch hatte den Kampf exakt wie ich gesehen.Trotzdem muss man sagen, dass Haye nicht mehr den Speed einstiger Tage hatte und auch seine Beweglichkeit durch die lange Verletzungspause anscheinend verlorengegangen ist. Trotzdem sah es für den Hayemaker bis zu diesem Zeitpunkt weder gut, noch schlecht aus.

In der sechsten Runde übernahm nun der 34-jährige “Bomber“ Bellew die Initiative und ging seinerseits nach vorne. Haye war nun gezwungen, die häufiger kommenden Schläge auszupendeln und diesen auszuweichen.

Plötzlich verdreht sich Haye in der sechsten Runde, beim Versuch Bellew mit einem Schwinger zu treffen, seinen Knöchel und humpelte fortan durch den Ring. Das konnte Bellew ausnutzen und schickte Haye erstmals zu Boden.

Die beiden Folgerunden gewann Bellew und wieder hatten Froch und ich die gleichen Zahlen auf dem Zettel: 77-75 für Bellew!

Klar, mit dem Handicap der Verletzung ging Haye nun auf den Lucky-Punch und steckte dabei mehr Treffer ein, aber schaffte überraschenderweise selbst seinerseits harte Hände zu landen.

Mit Beginn der 9. Runde war bei mir plötzlich mein Ran Fighting Bild weg und mein Bildschirm blieb bis zur elften Runde schwarz. Just in dem Moment als das Bild wieder da war, flog Haye aus dem Ring, wobei es mich verwundert hatte, dass Haye sich überhaupt noch so lange auf den Beinen halten konnte. Egal, als Haye benommen in den Ring zurückkletterte, flog aus seiner Ecke das Handtuch und das Ende von Haye gegen Bellew war besiegelt.

Trotzdem zolle ich Bellew meinen großen Respekt, da er trotz aller Haye-Mätzchen im Vorfeld und auch im Kampf kühlen Kopf bewahrte und anscheinend einen guten Matchplan in der Tasche hatte, der aufging, als er es benötigte.

Hayes große Zeit sollte nun vorbei sein. Er ist zu verletzungsanfällig und ohne seine alte Schnelligkeit ist er nur noch die Hälfte des Boxers wert, den ich einst so sehr mochte, irgendwie aber auch noch sehr mag.

Wobei mit Blick auf einen möglichen Weltmeister Shannon Briggs muss man abwarten, was aus Haye wird, denn den 45-Jährigen US-Amerikaner sollte auch Haye noch zum Frühstück verputzen. Immerhin konnte ein Haye mit nur einem Bein bis zur elften Runde gegen Bellew durchhalten.

Doch einen Kampf zwischen Briggs und Haye würde ich mir nicht mehr antun. Als nächstes steht auf meiner Agenda Wladimir Klitschko gegen Anthony Joshua an.

Das ganz große Schwergewichtsboxen ist klinisch tot, lebt nur noch vom Glanz alter Tage und natürlich in meinen Erinnerungen.

Text: Attila