Das Märchen vom undankbaren und überbezahlten MMA-Profi

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Deutsche MMA-Profis überbezahlt?

Deutschland ist immer noch ein Entwicklungsland in Sachen MMA, doch paradoxerweise werden eine Vielzahl von Athleten hierzulande als Profis deklariert, egal ob sie davon leben können oder nicht. Seien wir mal ehrlich, mehr als zwei Drittel unserer “Profis“ wären in Ländern wie Russland, Polen und natürlich den USA reine Amateure oder maximal Halbprofis.

Zu wenig Auslandserfahrung?

Trotz allem kann man immer wieder öffentliche Diskussionen mitverfolgen, die man zumeist nicht nachvollziehen kann. Es heißt nämlich, dass zu viele junge Kämpfer, ohne etwas großes geleistet zu haben, zu hohe oder überhaupt Gagen verlangen. Aber ist das wirklich so? Den Athleten wird auch vorgeworfen, keine Auslandserfahrung und nicht genügend Einsätze bei den Profis zu haben. Da beißt sich die Katze doch selbst in den Schwanz, oder? 

Kämpfer bringen viele Opfer

Opfern die meisten Athleten nicht viel Zeit und Energie für ihr Training und ihre Kämpfe? Eine professionelle Vorbereitung kann in nicht seltenen Fällen einen erheblichen Verdienstausfall bedeuten, da man sich öfter freistellen lassen muss. Dem nicht genug: Die Hauptakteure im Käfig vernachlässigen in dieser Zeit sogar ihre Familien, Freunde oder lassen sogar die Ausbildung schleifen. Wochen und Monate trainieren sie für den einen großen Moment. Nicht zu unrecht, erwarten die Veranstalter, dass sich der gebuchte Sportler bestmöglich vorbereitet, um berechtigterweise den zahlenden Zuschauern eine optimale Show anbieten zu können.

Fan wird für dumm verkauft

Ein gutes Event lebt an dritter Stelle vielleicht vom Ambiente, an zweiter Stelle vom reibungslosen Ablauf und ganz wichtig, an erster Stelle kommt die Action im Käfig, also die Kämpfer. Leider läuft es bei manchen Veranstaltungen andersrum. Man macht einen auf UFC, aber holt sich zumeist unerfahrene Kämpfer an Bord, deklariert diese als Kampfmaschinen und verkauft ganz nebenbei den Fan für dumm. Eigentlich kommt das einem Betrug nahe. 

Gute Kämpfe wichtiger als teure VIP-Tische

Einem echten Fan, der gute Kämpfe zu schätzen weiß, ist an erster Stelle nicht wichtig, ob genügend VIP-Sitzplätze zur Verfügung stehen, sondern wer kämpft und wie die Sicht auf den Käfig ist. Man darf auch nicht vergessen, dass die Mehrheit der Athleten nicht einmal Sponsoren hat, aber sie müssen unter Umständen einen Trainer bezahlen, wenige auch einen Manager prozentual beteiligen und es kommt auch schon mal vor, dass man medizinische Tests aus eigener Tasche zahlen soll.

Schlechte Werbemaßnahmen

Ist es dann unangebracht von einem Kämpfer, nennen wir ihn in einem Beispiel Markus Mustermann, der zehn Kämpfe absolviert hat und eine starke positive Bilanz von acht Siegen vorweisen kann, von den Organisatoren 1000 bis 1500 Euro für seinen Auftritt zu verlangen? Achtung: Wir reden hier nicht von den Akteuren mit 1-3 Kämpfen oder von denen, die schlicht unprofessionell sind. Es geht in diesem Artikel um weitestgehend professionell lebende Akteure. 

Wie schon erwähnt, liegen mehrere Monate Vorbereitung hinter den Kämpfern, begleitet vom Zurückstellen aller beruflichen und sozialen Aktivitäten. Einige Veranstalter begründen die kleinen Gagen damit, dass sie bei den Einnahmen keine Planungssicherheit haben.

Aber kann das nicht dem Athleten letztlich egal sein?

Es ist die Aufgabe eines erfolgreichen Promoters, die Halle zu füllen, ein gutes Marketing an den Start zu bringen  und für genügend Werbeflächen zu sorgen, damit sich auch potenzielle Sponsoren angesprochen fühlen. 

Gewinne kommen nicht immer bei den Kämpfern an

Einige Eventreihen in Deutschland haben verstanden, worum es geht und setzen auf gute Maßnahmen. Manche sind sogar zufrieden, wenn am Ende die “Schwarze Null“ steht und andere verteilen überraschend einen Bonus an die Kämpfer, wenn man gute Einnahmen generiert hat. Nein, das sind keine Idioten, sondern Förderer von MMA. Und wieder andere haben mehrere Events ausgerichtet und jedes mal ein deutliches Minus eingefahren, weil man das Level an die internationale Konkurrenz anpassen wollte. Allerdings hat man daran gesehen, dass MMA in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Aber eine Eventreihe gibt trotz der mit am höchsten erzielten Einnahmen die Gewinne nicht an die Kämpfer weiter, wundert sich immer mehr, dass viele keine Lust mehr auf ihre Veranstaltungen haben und die Zuschauerzahlen rückgängig sind.

Sponsoren in der Pflicht

Selbstverständlich sind besonders potenzielle Sponsoren gefragt, heißt diverse Hersteller von Ausrüstung, Kleidung und Nahrungsergänzungsmitteln, die von der Szene zwar profitieren, aber sich ungern an der Entwicklung von Profi-MMA beteiligen wollen. Gemeint sind da natürlich die größeren und bekannteren Marken, keine Start-Ups oder kleinen Shops. 

Jeden Cent wert

Um das Thema zu einem Abschluss zu bringen, die fleißigen Athleten sind nicht überbezahlt, keineswegs sogar. Ein ordentlicher Profi mit beispielsweise acht von zehn gewonnenen Duellen, der sich den Hintern aufreißt, um die beste Performance anzubieten, ist jeden Cent wert und deshalb sollte man wenigstens die immer wieder aufkeimenden Diskussionen um undankbare Kämpfer beenden. Und wer kommt dafür auf, wenn sich der Sportler während der Vorbereitung verletzt? Der Kämpfer selbst!

Ein Kämpfer, den wir hier namentlich nicht wollen, meinte zuletzt zu uns, dass es an der Zeit für eine Interessengemeinschaft der MMA Athleten ist, unabhängig von Organisationen und Verbänden. Aber das müssen die Kämpfer für sich entscheiden, ob sie das benötigen oder nicht. Tatsache ist, dass die Geschichte vom undankbaren und überbezahlten MMA-Profi weitestgehend ein Märchen ist.

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