1979 – Muhammad Ali vor leeren Rängen in West-Berlin

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Muhammad Ali vor leeren Rängen in West-Berlin

Wir schreiben das Jahr 1979 in West-Berlin, mitten im Kalten Krieg und politisch undurchsichtigen  Zeiten, als es so aussah, dass eine Stadt für immer geteilt bleiben würde. In diesem Jahr kündigte sich der größte Boxer aller Zeiten an. Schwergewichtsweltmeister Muhammad Ali (*17.Januar 1942- 3. Juni 2016) kam nach Deutschland, um in Berlin einen Schaukampf über 3 Runden gegen den Deutschen Meister Georg Butzbach zu bestreiten.  The Greatest war zu diesem Zeitpunkt 37 Jahre alt und wahrscheinlich leicht von der erst 1984 diagnostizierten Parkinsonkrankheit gezeichnet.

Nur 1000 Zuschauer wollen den Champ sehen

Ali war nicht in Form und trug einen Wohlstandsbauch vor sich her. Trotzdem war er auch damals eine lebende Legende, dessen Besuch in allen anderen Teilen der Welt zu Massenaufruhren und Tumulten geführt hätte. Nur hierzulande nicht, denn der Deutsche liebt von jeher seinen Fußball, der alle anderen Sportarten klein hält. Eine Boxlegende wie Ali konnte da dem Deutschen gestohlen bleiben.  Das wurde deutlich an dem Tag, als der Schaukampf stattfand. In der Berliner Deutschlandhalle verloren sich gerade einmal 1000 Menschen – 16.000 Zuschauer hätten hineingepasst.

Unglaublich, Ali vor leeren Rängen, eine brutale Realität, die ich bis heute nicht verstehen kann. Zum hohen Besuch erschien in meinem damaligen Lieblingsmagazin 1979 ein kleiner Artikel. Das Abenteuer- und Kampfsport-Magazin „Kung-Fu“ brachte auf der vorletzten Seite im Heft 97 einen kleinen Bericht über den Besuch der Legende. 

“Muhammad Ali, nach eigenen Angaben der „größte Boxer aller Zeiten“, ist immer eine Garantie für überfüllte Sportarenen“, schrieb der unbekannte Autor des Beitrages und führte fort, dass wahrscheinlich wegen der zu hohen Eintrittspreise die Gäste ausblieben.

Zur Information: Deutschland war auch 1979 eine führende Wirtschaftsmacht in der Welt und den Menschen ging es zu jener Zeit richtig gut. Meine Eltern konnten es sich immerhin leisten, mit vier Kindern in die Heimat zu fliegen. Dabei zählten wir Ausländer damals zur Unterschicht in Deutschland und Flugtickets waren damals nicht billig. Wie dem auch sei, Ali war da aber keiner wollte hin. Wir haben es uns in Köln mit der ganzen Familie und einigen Nachbarn bei uns im Wohnzimmer angesehen. Dem Deutschen Boxer Butzbach drückte keiner die Daumen, selbst unser Nachbar Herr Engels hatte nur Augen für Ali. Auch ich war damals etwas unglücklich über den Bauch von meinem Idol, doch die Freude, dass er gerade bei uns in Deutschland war, überwiegte dabei. 

Was für viele in Deutschland eine Randnotiz war und nur wenige interessierte, war für mich ein kleiner Meilenstein.

Die Vorletzte Seite des Magazins habe ich abfotografiert, damit Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt, wie Ali 1979 in Deutschland gesehen wurde.

Bild: Aus dem Abenteuer- und Kampfsport-Magazin Kung-Fu Nr.97